Frank & frei

gerne würde ich mit Ihnen in die besinnlich-heitere Stimmung hinübergleiten, die das Fest der Liebe und der Freude ausmacht, aber mal ehrlich: Wie komme ich jetzt von "Liebe" und "Freude" auf die Situation in unserer Kreisregierung? So viel Glühwein kann man gar nicht zu sich nehmen.

"Kommunalpolitik hat viel mit Fahrrad fahren zu tun", sagte Wolfgang Hofmann, unser aus Altersgründen scheidender Erster Kreisbeigeordneter, in seiner Abschiedsrede. Stimmt, denn in beiden Fällen muss man wissen, wann es sinnvoll ist, vom Rücktritt Gebrauch zu machen.

Das hat auch Anke Hartmann nach ihrer geplatzten Wahl zur hauptamtlichen Kreisbeigeordneten feststellen müssen. Ich muss immer ein wenig schmunzeln, wenn es heißt, eine Wahl "sei nicht wie erwartet ausgegangen."

Mal ehrlich: Außer der DDR-Volkskammer und einem CDU-Parteitag sind mir keine wirklich verlässlichen Abstimmungsorgane bekannt. Wie auch immer, gestatten Sie mir die Abwandlung eines berühmten Satzes der unvergessenen SPD-Finanzexpertin Ingrid Matthäus-Maier: "Wir hatten im Kreis einen Hofmann, einen Kaufmann und beinahe eine Hartmann. Hauptsache, wir bekommen wieder einen Fachmann."

Was fällt mir bei dem Begriff "Fachmann" ein? Natürlich unsere alte Lahnbrücke, deren "Desaster-Pflaster" nun tatsächlich wieder neu verlegt werden muss. Ich warte nur darauf, dass irgendwann auch noch festgestellt wird, dass die stattdessen zu benutzende Ponton-Brücke einem derartigen Fußgängerandrang nicht gewachsen ist und sicherheitshalber ebenfalls gesperrt werden muss. Und so langsam wird klar, warum das Europabad dann doch recht schnell wieder eröffnet werden musste: Die Stadt möchte, dass wir uns im großen Becken ertüchtigen, damit wir künftig, anstelle die Lahnbrücke zu benutzen, einfach nebenan rüberschwimmen können. Mein Nachbar hätte schon eine Idee für ein Plakat, um diese Aktion zu bewerben: "Nicht maulen: Kraulen!"

Als ich hörte, dass ein Teil der Sanierung der alten Lahnbrücke mit der Sanierung des Steighausplatzes zusammenfallen wird, dachte ich an die Worte des unvergessenen Berliner Bürgermeisters Ernst Reuter, die er während der Blockade Berlins sprach: "Völker der Welt, schaut auf diese Altstadt und erkennt, dass ihr die Hausbesitzer und Ladeninhaber nicht preisgeben könnt!"

Übrigens hat man unserem scheidenden Ersten Kreisbeigeordneten Wolfgang Hofmann zum Abschied einen Tanzkurs geschenkt. Kennen Sie den Quickstep? Bei diesem Tanz fliegen die Paare förmlich über die Fläche und haben fast keinen Bodenkontakt. Das wäre die Lösung für unsere "Tücken-Brücke" und eine nette Beschäftigung für unseren Ruheständler: Aus den Lautsprechern der Wasserorgel ertönt schmissig-schnelle Foxtrott-Musik, die Fußgänger tanzen paarweise über die Brücke, ohne die Pflastersteine unnötig zu berühren und Wolfgang Hofmann ruft abwechselnd mit seinem FWG-Freund Harald Semler den Passanten mit einem Megaphon zu: "Quick - quick - slow, quick - quick - slow".

Dies schreibt frank & frei,

Ihr Frank Mignon


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