Frank & frei

 

kaum sind die Ferien vorüber, schon holt uns das pralle Leben wieder ein. Am Kalsmunt werden schon wieder irgendwelche sensationellen Entdeckungen gemacht, so dass die Wissenschaftler mittlerweile davon sprechen, die Geschichte müsse neu geschrieben werden. Solche Äußerungen machen mich immer nervös, denn als ich diesen Satz das letzte Mal hörte, mussten einige Woche danach mehrere Leute bei einem Hamburger Nachrichtenmagazin ihren Hut nehmen. Wobei es damals in Hamburg um Tagebücher, diesmal in Wetzlar hingegen um ein Skelett ging. Solange die nicht herausfinden, dass es Wetzlar vor der Amtszeit Walter Fronebergs noch gar nicht gegeben hat und Goethe statt nach Wahlheim lieber nach Gießen gewandert ist, um dort eine direkte Urahnin von Frau Oberbürgermeisterin Grabe-Bolz zu freien, ist mir alles recht. Darüber hinaus lege ich Wert auf folgende Feststellung: Karitative Aktionen wie der „Brückenlauf“ haben meine uneingeschränkte Solidarität und ich gebe Ihnen, den Leserinnen und Lesern, mein Ehrenwort, ich wiederhole, mein Ehrenwort, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind, ich sei zu faul und zu träge für solche Aktionen. Vielmehr kann ich nicht anders, als mir vorzustellen, der bei den Ausgrabungen am Kalsmunt gefundene Burgkaplan aus der Zeit Friedrich Barbarossas würde just in diesem Moment wieder lebendig, als tausende Verwaltungsangestellte, Bankkaufleute, Steuerberater, Kinder, Muttis und Papis einschließlich Landtagsabgeordneten in bunten Hemdchen und engen Hosen sich mit gequälten Gesichtern immer im Kreise laufend durch die Altstadt schleppen, während der Rest der Bevölkerung schadenfroh und mitleidig am Wegesrand stehend dem Treiben beiwohnt. Zumindest würde der antike Herr vermutlich feststellen, dass sich seit der Zeit der römischen Gladiatorenkämpfe und kirchlichen Büßerverordnungen nicht allzu viel geändert hat. Hans-Jürgen Irmer soll ja ebenfalls schon öfter joggend gesichtet worden sein, denn seit die Grünen in Wiesbaden so zahm geworden sind, muss er ja irgendwo seine überschüssige Energie abbauen. Weiß man eigentlich, ob unser Landrat auch mitgelaufen ist? Und der ehemalige erste Kreisbeigeordnete Wolfgang Hofmann von den Freien Wählern, vielleicht zusammen mit Alt-Oberbürgermeister Wolfram Dette?

Der Theaterring Wetzlar e.V. muss die aktuelle Kreis-Koalition offenbar berücksichtigt haben, als er sowohl „Ziemlich beste Freunde“ als auch „Illusionen einer Ehe“ in seinen aktuellen Spielplan aufgenommen hat. Wobei mich mein Nachbar darauf hingewiesen hat, dass auch der gute alte „Faust 1“ von Goethe sowie „Pippi Langstrumpf“ beim Theaterring Wetzlar geboten werden. Aber wenn ich mir die in ihrer Lebensblüte stehenden Herren im Kreishaus so ansehe, so macht auch der Faust seinen Sinn, als er feststellt: „Von Zeit zu Zeit seh‘ ich den Alten gern, und hüte mich, mit ihm zu brechen.“ Und unser Landrat stimmt seit der offiziellen Übergabe der neuen Kreisverwaltung angeblich morgens im Büro immer lautstark an: „Ich hab‘ ein Haus, ein kunterbuntes Haus“. Solange er nicht angesichts der Kassenlage „Zwei mal drei macht vier, widde-widde-witt und drei macht neune“ trällert, soll es mir recht sein.

 

Dies schreibt frank & frei

 

Ihr Frank Mignon


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