Frank & frei

Das kennen manche unserer männlichen Leser ja auch vom gemeinsamen Einkaufsbummel mit der Gattin: Man zieht los wegen einer Bluse für 100 Euro und kommt nach Hause mit Bluse, Schuhen, Jacke und Mantel für 400 Euro. Und der Schrank ist eigentlich schon voll. Schade, dass es in der Bekleidungsbranche noch keine Abwrackprämie gab. Wie in dem Artikel zu lesen war, fühlt man sich angesichts der vielen verhüllten Gebäude an den weltbekannten Verpackungskünstler Christo erinnert, der ja auch schon den Reichstag eingetütet hat.

Unbestätigten Gerüchten zufolge soll unser Magistrat sich schon mal erkundigt haben, ob der Meister eventuell vor dem Hessentag noch schnell in unserer Stadt vorbeischauen könnte.

Stellen Sie sich das mal vor: Eine Riesenplane von der Bahnhofstraße über den Karl-Kellner-Ring bis zur Commerzbank, das "Stadthaus am Dom" wird feierlich von unserem Oberbürgermeister persönlich blau-gelb zugehängt und den letzten Stofffetzen werfen wir Bürger voller Genugtuung über diese neue Begrüßungsskulptur am Bahnhof. Man soll Künstler nicht aufhalten, wenns mal so richtig läuft.

Ebenso wies unser städtischer Pressesprecher Eckhard Nickig darauf hin, dass die bereits sanierten Fassaden zusammen eine Fläche von der Größe eines FIFA-Fußballfeldes ergeben. Und unsere Häuser haben dem Weltfußballverband dabei einiges voraus, denn was dort rund um Josef Blatter hinter der Fassade so alles los ist, erscheint noch krummer als die Außenwand "Alte Münz" am Eisenmarkt.

Übrigens hat es unser städtischer Pressesprecher nicht versäumt, dass es sich bei den bereitgestellten Mitteln um eine "freiwillige Leistung" der Stadt handelt. Was halt vor so einem Hessentag noch als "freiwillig" bezeichnet werden kann. Was er allerdings offen gelassen hat: Gehört unser Stadtkämmerer damit schon zu den "freiwilligen Helfern zum Hessentag"?

Da fällt mir noch etwas zum Thema "Verschönerung" ein: Jedes Mal, wenn ich an den Plakaten zur bevorstehenden Landratswahl vorbeifahre, kommt mir in den Sinn: Wer immer die Kreis-CDU bei der farblichen Gestaltung ihres Werbematerials beraten hat, der hat es immerhin geschafft, dass selbst SPD-Amtsinhaber Wolfgang Schuster daneben wirkt wie der neue "Bachelor".

Sehr geehrter Herr Irmer, bitte nehmen Sie persönlich die Ermittlungen auf, denn ihr Grafiker kann nur ein verdeckt operierender Kommunist gewesen sein. Vorsicht, denn wie hieß es mal in einem Schlager der "Ersten Allgemeinen Verunsicherung": "Das Böse ist immer und überall".

Aber ich sollte jetzt zum Schluss kommen, denn mein kleiner Sohn will 1 Euro seines ersparten Geldes in eine Eistüte investieren. Und was das an weiteren freiwilligen Investitionen meinerseits nach sich zieht, können Sie sich sicher vorstellen.

Dies schreibt frank & frei

Ihr Frank Mignon


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