Frank & frei

Allerdings setzt dann vermutlich beim Nachwuchs, der von der "Just-White-Party" zurück zum Elterntaxi kommt, das große Fremdschämen ein, wenn Papa, statt wie üblich still und ein wenig zerknirscht im Familienkombi zu warten, bei der Ankunft der Zöglinge gerade lautstark "Don’t you forget about me" von den "SimpleMinds" samt der berühmten "La – lalalalaaa"-Stelle grölt. "Ey, meine Alten sind aber voll peinlich." Unbestätigten Gerüchten zufolge will sich unser Stadtmarketing die Idee eines Auffanglagers für wartende Fahrdienste auch an anderer Stelle während des Hessentages aufgreifen. Für die Dauer des Elton-John-Konzertes könnte man eine spezielle "Ehegatten-Betreuungs-Party" in der Nähe der Freiluft-Arena einrichten. Die Gattin schluchzt zu "Candle in the wind", der Gatte grölt am Auto zu"Smoke on the water".  Und wer es nicht ins "Polizeibistro" schafft, könnte doch stattdessen draußen mit einem Platz in einem "Ordnungsamts-Biergarten" entschädigt werden. Auf der Karte gibt’s dort wahrscheinlich ein neues Teiggericht, das "Knöllchen-Röllchen". Man sollte sich dieses Konzept patentieren lassen und sofort an den Einzelhandel verkaufen.

Warum nur "Kinderparadiese mit Bällebad" wie beiden großen schwedischen Möbelhäusern? Warum nicht "Papa-Oasen" am Einkaufszentrum samt frisch gezapftem Pils und freiem "Sky-Fußball-Kanal", während Mutti das zehnte Paar Schuhe anprobiert? Stellen Sie sich die Durchsage vor: "Der 45-jährige Horst möchte aus demPapa-Paradies abgeholt werden". Warum nicht ein spezielles Unterhaltungs- und Wellnessprogramm für Damen auf dem Gelände unserer Baumärkte samt Prosecco-Ausschank, Sushi-Verkostung, reichlich Latte-Macchiato und der Musik von Michael Bublé? Das wär’s doch: Draußen"Mutti-Kulti" während der Gatte Vierkantholz und Schleifpapier aussucht. Darauf ein "Stößchen".

Neulich sah man vor der Stadthalle Aßlar sogar eine ganz besondere wartende Limousine. Unser Landrat Wolfgang Schuster sollte auf einer Wahlkampfveranstaltung an der Seite von Ex-SPD-Chef Kurt Beck zum Sieg geführt werden. Auch das noch, ausgerechnet Kurt Beck. Wenn Sie, verehrter Herr Landrat, nun wiedergewählt werden, können Sie wenigstens behaupten, Sie haben es nicht "wegen" des Besuchs des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten geschafft, sondern "trotz". Also, ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche und nichtvergessen: Falls Sie noch ähnlich gute Einfälle haben wie unser Hessentagsteam: Noch 32 Tage und dann geht’s los.

Dies schreibt frank & frei
Ihr Frank Mignon


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