Frank & frei

ein in unserem Museum ausgestelltes Bild, das jahrelang dem Maler Abraham Mignon zugeschrieben wurde, stammte in Wirklichkeit von Jan Pauwel Gillemans. Sowas kann schon mal vorkommen. Unsere Museumsdezernentin Sigrid Kornmann wies neulich zu Recht darauf hin, dass Touristen vor allem deshalb in unsere Stadt kommen, weil sie etwas Unverwechselbares sehen wollen.

Ich habe so einen Bekannten, der immer alles durcheinanderbringt. Neulich war er zu Besuch in unserer Stadt und da ich keine Zeit für ihn hatte, rief er ständig per Mobiltelefon an.

10.32 Uhr, erster Anruf: "Mensch, Mignon, eure neue Busbahnhofshalle ist aber erste Sahne. Aber man hätte wenigstens die Reste vom Baumaterial wegräumen können." "Das ist unsere neue Begrüßungsskulptur, das hatte ich dir doch erklärt. Geh einfach direkt zum Dom."

11.03 Uhr, zweiter Anruf: "Ich mache gerade ein Picknick. Respekt, euer Dom ist echt eine Wucht. Und dass ihr mittlerweile den zweiten Turm fertig gebaut habt, hättest du mir ruhig sagen können. Nur die graue Farbe sieht nix aus."

"Du nimmst jetzt Deinen Rucksack, gehst vom Heidelberg-Cement-Gelände und siehst zu, dass Du in die Innenstadt kommst!" Es gibt Leute, die sollte man nicht alleine aus dem Haus lassen.

12.10 Uhr, dritter Anruf: "Ihr seid echt ein frommes Städtchen. Sogar auf einer Kleinkunstbühne steht eine Statue eures katholischen Bischofs." "Lieber Freund, ich hatte dir den Unterschied schon zweimal erklärt: Die Skulptur zeigt einen Franziskaner-Mönch und den will das Kulturzentrum Franzis zurück haben. Der Bischof heißt Tebartz-van Elst, und den will nun wirklich niemand haben."

13.56 Uhr, vierter Anruf: "Ich wollte doch immer schon mal in so ein schwedisches Möbelhaus. Sagenhaft, die haben mir am Eingang so einen Ton-Apparat gegeben, der automatisch die Sonderangebote ansagt." Ich fange an zu schwitzen. "Junge, das ist nicht Ikea, das ist das Palais Papius. Und dieser Apparat ist ein Audio-Guide, der den Besuchern die Möbel erklären soll." "Gute Idee, so eine Erklärung hätte ich beim Aufbau meines Regales auch mal gebrauchen können. Und ich hatte mich schon gewundert, warum für 6,7 Millionen Euro so wenig Ware im Angebot ist." Mir drängt sich der Gedanke auf: Wenn er jetzt noch am Ausgang nach Köttbullar fragt, kündige ich ihm die Freundschaft.

16.12 Uhr, mein Bekannter verlässt unsere Stadt mit den Worten: "War echt nett bei euch, ich komme bald mal wieder. Nur so am Rande: Warum habt ihr eigentlich überall so viele merkwürdig aussehende Geldautomaten rumstehen?"

Ich kapituliere, denn ihm zu erklären, dass diese Dinger keine Geldautomaten sind, sondern zum Optikparcours gehören, und zudem kein Geld ausspucken, sondern verschlingen, hätte meine Geduld endgültig überstrapaziert.

Liebe Leserinnen und Leser, dies war die 150. Ausgabe von "frank &frei". Und im Gegensatz zu dem anfangs erwähnten Bild gilt jeden Montag: Wo Mignon drauf steht ist garantiert auch Mignon drin. Wenn Sie es wünschen, gerne noch mindestens weitere 150 Mal.

Dies schreibt frank & frei

Ihr Frank Mignon


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