Frank & frei

 

im Zuge der vielen Weltereignisse treten andere Dinge oft in den Hintergrund. Vor allem sind es die vermeintlich kleinen Jubiläen oder Gedenktage, die es dennoch zu feiern gilt und denen wir an dieser Stelle unsere Aufmerksamkeit schenken wollen. Für den Mathematiker ist die Zahl 3285 nichts anderes als eine ungerade natürliche Zahl aus dem Dezimalsystem. Jedoch für den Naunheimer bedeutet sie viel mehr. Sie steht für eine lang ersehnte Ortsumgehung, welche als „Landesstraße 3285“ für eine notwendige Entlastung des sympathischen Wetzlarer Stadtteils sorgen sollte. Nun haben Ortsumgehungen ja immer auch den Ruf, dass sie neben einer Steigerung der Lebensqualität für die Bewohner der entlasteten Ortsteile auch immer ein wenig als Dolchstoß für die in den jeweiligen Orten angesiedelten Einzelhandelsgeschäfte fungieren. Man kommt halt nicht mehr einfach so mal vorbei und hält schnell mal an. Aber der damalige SPD-Landrat Dr. Werner Best hatte ohnehin Visionen, die über ein schlichtes Umfahren von Ortschaften hinausgingen, hielt er doch eine Brücke für „in absehbarer Zeit realisierbar“, welche die Straße „Am Brauhaus“ über die Umgehungsstraße mit einer direkten Straßenverbindung nach Garbenheim fortsetze. Das sind wenigstens mal Visionen. Naunheim und Garbenheim wachsen zusammen. Mit anderen Worten: „Genossen beider Ortsteile, vereinigt Euch!“ Wäre das nicht eine wunderbare Vorstellung? Wer weiß, ob unserem ehemaligen Naunheimer Ortsvorsteher und jetzigen Oberbürgermeister Manfred Wagner der Zwist mit seinem Garbenheimer Parteifreund und dortigen Ortsvorsteher Waldemar Droß um die Anzahl der hauptamtlichen Stadträte nicht doch erspart geblieben wäre, wenn man schnell mal hätte rüber fahren können, bevor da irgendwas entschieden wurde. Denn bis heute geht das ja nur mit dem Fahrrad, und da kommt man dann doch schon mal aus der Puste, wenn man am Ziel ist. Und einen langen Atem braucht man eben manchmal in der Politik. Wenn man dann noch weiß, dass es lange Zeit nur am westlichen Naunheimer Ortseingang eine Linksabbiegespur gab, wird man als aufmerksamer Beobachter erst recht stutzig und kommt zu dem Schluss, dass hinter diesen vielen Einschränkungen nur sture Christdemokraten im Hessischen Straßenbauamt stecken konnten, die damals noch davon ausgehen mussten, dass man es geneigten Genossen in vorwiegend von Sozialdemokraten bevölkerten Gebieten eventuell nicht zu leicht machen sollte, im Osten auch noch links abzubiegen. Erst 2004 wurde dann doch noch diese zweite Abbiegespur verwirklicht. Aber da waren ja die Genossen in Deutschland schon so weit in die Mitte gerückt, dass man ein „Links-Abbiegen“ nicht mehr befürchten musste und stattdessen besser eine Überholspur eingerichtet hätte.

In einem Vortrag erinnerte unlängst unsere Stadtarchivarin Dr. Irene Jung daran, dass in Folge von Kriegen die Bewohner Naunheims noch 1866 für Behördengänge bis ins ferne Biedenkopf reisen mussten. Da sieht man es wieder: Kommt Zeit, kommen Straßen. Oder wie Rudi Dutschke es einst formulierte: Der Kampf geht weiter.

 

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Ihr Frank Mignon


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