Frank & frei

man kommt ja aus dem Feiern gar nicht mehr raus. Erst der Hessentag, nun die Fußball-Europameisterschaft. Pardon, hätte ich "UEFA Euro 2012"schreiben müssen? Man gewöhnt sich so schwer an diese neue Wortwahl. Heute heißt es: "Dieser Spieler könnte dem Team Impulse im offensiven Bereich geben", früher sagte man: "Müller, hau ihn rein!".

 Was sich wohl nie ändern wird, ist unser deutscher Hang zum Jammern. Wir haben die wahrscheinlich beste und noch dazu jüngste Mannschaft, die wir je hatten, den besten Bundestrainer aller Zeiten und gewinnen jedes Spiel bei diesem Turnier. Dennoch höre ich ständig:  "Aber das nächste Spiel verlieren wir!". So ist er eben, der Deutsche. Nichts ist schlimmer, als wenn alles gut ist.
 Wirklich gut ist auch ein Projekt für unsere Grundschüler mit dem Namen "Schwimmi".  Fast wäre die Meldung hierzu im Hessentagstrubel untergegangen, wobei der Begriff "untergehen" im Zusammenhang mit "Schwimmen lernen" eher unpassend erscheint.

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Mehr als die Hälfte der Schulanfänger in Wetzlar kann nicht schwimmen, also musste "Schwimmi" her. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll wegen des Erfolges dieses Konzept auch an anderer Stelle übernommen werden. Wie wäre es mit"Kreuzi", dem Projekt zum Heranführen der Bürger an die Wahlurnen. Immerhin gehen ebenfalls mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten bei Kommunalwahlen nicht an die Urne. Das Wahllokal für meinen Bezirk befindet sich seit Jahren in der Erkschule und mein Nachbar schlug neulich am Gartenzaun vor, dass nur der an einem  Bürgerbegehren zum Erhalt dieser Schule teilnehmen darf, der nachweislich immer dorthin zur Wahl gegangen ist und nicht erst dann die Demokratie entdeckt, wenn es mal in der eigenen Schultüte eng wird.

Ich muss mich an dieser Stelle für meinen Nachbarn entschuldigen, er wird immer so grantig, wenn das Bier alle ist.  Vielleicht könnte ihm "Schlucki"  helfen, das Programm zur flächendeckenden Versorgung unserer Heimat mit Brauereierzeugnissen.
Obwohl man angesichts der immer häufiger anzutreffenden süddeutschen Weizenbier-Ausschänke das Programm wohl eher "Jodli" nennen müsste.

Das Projekt "Tipi" gibt es ja nun schon, es bezeichnet aber nicht etwa eine Bürgerinitiative zum Erhalt des Zeltplatzes Lenste, sondern vielmehr die Gelegenheit für zwei Herren, sich zunächst im Lichte des Hessentages wichtig und dann,  sollte nicht bald die Hand zur Versöhnung gereicht werden, unter Umständen eher lächerlich zu machen. Herrn Tipi beschleiche nun "ein ungutes Gefühl beim Gedanken an Wetzlar". Das kann ich gut verstehen, geht mir manchmal auch so.  Zuletzt übrigens, als Stadtrat Harald Semler die neuen Zahlen zur Sanierung der alten Lahnbrücke verkünden musste. Das Programm "Spari" hat wieder mal nix genützt, denn sie wird natürlich teurer.

 In unserer Nachbarstadt Braunfels sucht die SPD verzweifelt einen eigenen Bürgermeister-Kandidaten, wahrscheinlich hieß das Projekt der Einfachheit halber "Sozi". Verkehrte Welt: Die Braunfelser Roten finden keinen, die Wetzlarer Schwarzen wollen keinen. Man sollte der Wetzlarer CDU ebenfalls ein Projekt empfehlen. "Traudi!"

Dies schreibt frank & frei

Ihr Frank Mignon


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