Frank & frei

Leserinnen und Leser,

nun geht es also richtig los mit den Karnevalssitzungen. Für uns Musiker ist dies die Zeit der flexiblen Programmgestaltung. Eigentlich gibt es kaum ein wichtigeres Thema vor einem heiteren Kappenabend als die Einmärsche, denn mit einem passenden Musikstück ist der Saal gleich auf den Vortragenden eingestimmt. Das könnte man doch auch bei unseren Parlamentssitzungen einführen. Was meinen Sie, wie es die Stimmung im Kreistag aufheitern würde, wenn beispielsweise immer dann, wenn Kreisschuldezernent Roland Wegricht mangels Nachfolger trotz des erreichten Pensionsalters zum Pult schreitet, der Otto-Reutter-Gassenhauer "Neh’m se’n Alten, neh’m se’n Alten" erklänge?

Das dachte sich wahrscheinlich auch Landrat Wolfgang Schuster, denn wie heißt es so schön weiter im Text: "Ha’m se’n etwas aufgefrischt, ist er besser oft wie’n Junger und stets besser als wie nischt".

In Braunfels soll ja nach erfolgter Akteneinsicht der Stimmungsschlager "Wer soll das bezahlen" vor jeder Rede von Bürgermeister Keller angestimmt werden, wobei böse Zungen behaupten, man plane immer dann, wenn in einer Sitzung gefragt wird, wo denn eine Investition zu tätigen sei, gemeinsam lautstark "In der Schweiz, in der Schweiz, in der Schweiz" zu intonieren. Während in Wetzlar die Opposition in Sachen Rasselberg möglichen solventen Grundstücksinteressenten zuruft: "Ich bau dir ein Schloss", so hält es die Koalition derzeit eher mit "Warte, warte nur ein Weilchen". Ging es Ihnen wie mir, liebe Leserinnen und Leser, als Sie den Artikel über die Bürgerinitiative zur Erhaltung des Naherholungsgebietes Rasselberg gelesen haben? Ich weiß jetzt, dass man dort eigentlich gar nicht bauen kann, weil der Boden kontaminiert ist und sich dort überall Blindgänger und Bomben befinden, die theoretisch jederzeit detonieren könnten. Rechnet man die unterirdischen Stollenanlagen dazu, die natürlich einsturzgefährdet seien, so wird mir klar, dass dieses Gebiet eindeutig zu den schönsten und wertvollsten Naturschutzarealen der Welt gezählt werden muss, nur noch übertroffen von der Asse, der Gegend um Kunduz und den Braunkohletagebauanlagen bei Kerpen. Na dann, Herr Stadtrat Semler: Singen wir mal zur nächsten Sitzung "Glück auf, Glück auf", denn die Zeile "Und er hat sein helles Licht bei der Nacht" wird sicher für den nötigen Durchblick in dieser Sache sorgen.

Mein Favorit der Woche war aber eindeutig das Papier, mit dem die Kreis-CDU der regierenden Koalition ihre Einspar-Alternativen aufzeigen wollte. So stellten die Christdemokraten fest, man könne über die ganze Legislaturperiode rund 100 000 Euro einsparen, wenn man die Kreistagssitzungen künftig auf den Nachmittag verlegen würde. Leider wurde vergessen zu schätzen, wie viel dann wiederum für Kaffee und Kuchen draufgehen würde. Stellen wir uns vor, wie unser Landrat in den Saal hinein singt "Der Kaffee ist fertig", der Erste Kreisbeigeordnete Heinz Schreiber fragt "Herr Irmer, wie hätten Sie ihn gerne?" und der ganze Saal ruft "Na ,schwarz‘ natürlich!" Ein solcher Kalauer sollte uns eigentlich gerade jetzt zur Faschingszeit ein paar Euro wert sein. Darauf ein dreifaches "Helau". Kapelle:

Ausmarsch!

Dies schreibt frank & frei

Ihr

Frank Mignon


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