"Ich vertraue ihm blind"

HELFT UNS HELFEN Irmtraud Swoboda baut auf ihren Wirtschaftspaten

Bei der Arbeit: Wirtschaftspate Wolfgang Leschhorn (l.) gibt Irmtraud Swoboda und Ehemann Klaus-Jürgen Behr-Swoboda Tipps. (Foto: Straßheim)

"Ich fühle mich zu fit, um einfach nur zu Hause zu sein", sagt Rentner Leschhorn. Der Hungener gehört zum Vorstand der Wirtschaftspaten und gibt zusammen mit 39 weiteren Mitgliedern sein im Berufsleben erworbenes Wissen an Firmen weiter. An Existenzgründer, an Firmen, die in Schieflage geraten sind, und an Betriebe, die neben Finanzierungsfragen Beratungsbedarf in Sachen Marketing und Vertrieb haben.

Letzteres trifft auf Irmtraud Swoboda zu. Bereits im zarten Alter von vier Jahren hat sie bereits davon geträumt, später mal die eigene Chefin zu sein. "Mein Vater war auch Architekt und hatte ein kleineres Büro. Daher hatte ich diesen Wunsch nach Selbstständigkeit", erklärt die Braunfelserin. Doch dieser Traum ging dann doch schneller in Erfüllung, als ihr lieb sein konnte. Denn im Juli 1979 erkrankte der Vater, knapp vier Monate später übernahm sie das Büro, seit 1986 unter ihren Namen. "Ich wurde sozusagen ins kalte Wasser geworfen", erinnert sich Swoboda, die bereits während ihres Studiums erste Erfahrungen in der Branche schnupperte.

Mittlerweile ist die Firma aus Braunfels deutschlandweit aktiv

Anfangs machte sich das Unternehmen mit kleineren Aufträgen einen Namen, mittlerweile ist es aber deutschlandweit aktiv. Immer an Irmtraud Swobodas Seite: Ehemann Klaus-Jürgen Behr-Swoboda, der Tragwerksplaner ist. Vor allem auf Sozialeinrichtungen wie Pflegeheime hat sich Swowoboda, die vier feste Mitarbeiter sowie eine Buchhalterin und eine Sekretärin beschäftigt, spezialisiert. Mit der größeren Auftragslage stiegen auch die Anforderungen für das kleine Unternehmen. Dies galt vor allem für den kaufmännischen Bereich. "Ich kannte mich mit Betriebswirtschaft einfach nicht gut aus, wollte aber gerne gewisse Abläufe optimieren", sagt sie. Auf der Suche nach einem Berater für diesen Bereich wendete sie sich vor zwei Jahren an die Wirtschafts- und Infrastrukturbank. Diese vermittelte ihr schließlich Wolfgang Leschhorn. Ein Glücksfall für die Architektin. "Ich vertraue ihm blind", hält Swoboda große Stücke auf den Wirtschaftspaten, der vor seiner Rente kaufmännischer Geschäftsführer bei einer Firma für Maschinen- und Anlagenbau war. "Zunächst ging es erstmal darum, sich einen Überblick über die Firma zu verschaffen", erklärt Leschhorn, der zu Beginn alle 14 Tage beratend zur Seite stand.

Weitere Themen waren dann die Strukturierung der Organisation und die damit zusammenhängenden Fragen in den Bereichen Personal, Produktion, Qualitätsmanagement, EDV, Controlling sowie Kosten- und Leistungsrechnung. So hat der Wirtschaftspate Irmtraud Swoboda zum Beispiel empfohlen, die Buchhaltung direkt in der Firma zu machen und nicht mehr extern zu vergeben. "Dadurch haben wir Geld gespart", sagt Klaus-Jürgen Behr-Swoboda, der die regelmäßige Hilfe Leschhorns beim Jahresabschluss zu schätzen weiß.

Ehefrau Irmtraud ergänzt: "Es ist noch einmal was anderes, der eigene Chef zu sein. Daher ist es ratsam, sich vorher Rat zu holen, zum Beispiel bei den Wirtschaftspaten. Sie zeigen Risiken auf und unterstützen auch sonst in jeglicher Form." Auch für Architekten, die ebenfalls den Schritt in die Selbstständigkeit wagen wollen, hat sie einen Tipp parat: "Ich empfehle gerade den jungen Kollegen, sich nicht alleine, sondern zu Zweit den Schritt zu wagen. Einer muss sich um den kaufmännischen Bereich kümmern."

Dennoch hat die Braunfelserin den Schritt zur Selbstständigkeit nicht bereut. "Natürlich habe ich nicht alles richtig gemacht. Aber Angst vor einem Scheitern hatte ich nie." In den nächsten fünf Jahren gilt es nun für Irmtraud Swoboda, einen Nachfolger für das Unternehmen zu finden. Danach möchte sie die Leitung an Jüngere übergeben Denn nach Ablauf dieser Zeit möchte sie sich mehr Freizeit gönnen. "Bis dahin will ich das Büro noch erweitern". Konkrete Vorstellungen dafür hat sie bereits. Und braucht sie doch Hilfe, weiß sie ja, an wen sie sich wenden kann: an Wolfgang Leschhorn. Ihren Wirtschaftsexperten.

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Die Wirtschaftsexperten

Die Wirtschaftspaten mit dem Sitz in Bruchköbel haben sich vor zwölf Jahren gegründet. 40 Mitglieder leisten ehrenamtlich Hilfe zur Selbsthilfe und beraten Existenzgründer und Unternehmer in allen Bereichen der Selbstständigkeit in ganz Hessen und in Teilen von Rheinland-Pfalz. Die Kunden reichen vom Empfängern des Arbeitslosengeldes I und II bis zu Firmen mit 100 Mitarbeitern. Die Ehrenamtlichen sind erfahrene Wirtschaftsfachleute, die Interesse daran haben, die im Berufsleben erworben Erfahrung weiterzugeben. Über 6500 Aufträge haben die Wirtschaftspaten bisher abgewickelt und Unternehmen unterstützt. Neue Mitglieder müssen einem Kriterienkatalog entsprechen, um zu gewährleisten, dass nur Fachleute dem Team angehören. Wer Hilfe braucht, kann sich an mehreren Orten in Hessen kostenlos beraten lassen. Kontakt: Telefon (06181) 576512.


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