Wie gut, wenn jemand da ist!

VON UWE RÖNDIGS

Oft passiert dies im Verborgenen, ohne großes Lob, ohne große Anerkennung. Und doch ist ihr Beitrag für Einzelne wie die Gesellschaft insgesamt enorm.

Patenschaftsmodelle in Mittelhessen sollen daher im Zentrum der diesjährigen Aktion "Helft uns helfen" stehen.

Was zeichnet diese Gruppe der ehrenamtlich Aktiven aus? Was ist ihr gemeinsamer Nenner?

Patenschaft ist direkte Hilfe im Tandem, so kann das Hilfe-Geben und Hilfe-Annehmen sehr persönlich werden; es braucht keinen Staat, keine Bürokratie, wohl aber Begleitung und auch Professionalisierung, damit niemand leerläuft.

Patenschaft lebt von der inneren Verpflichtung des Helfenden und der sich öffnenden Bitte des Hilfesuchenden um Engagement in eigener Sache. "Ja, die Stunde in der Woche habe ich übrig, und ich setze sie bewusst ein, der Termin ist fest geplant in meinem Kalender", das hört man immer wieder von Paten.

Patenschaft lebt davon, dass Fähigkeiten aktiviert werden. Im Idealfall geht es darum, dass der Hilfesuchende sein Leben selbst meistern lernt. Immer dann, wenn Lebensphasen schwierig werden - und das erlebt jeder -, ist der Blick auf die eigenen Möglichkeiten nicht immer offen, oft dagegen auf Grenzen und Schwäche gerichtet. Paten können da helfen, die nächsten Entwicklungsschritte zu meistern, Abbrüche und Scheitern zu verhindern.

Das heißt auch: Patenschaft lebt davon, dass Kompetenzen weitergegeben werden, von Erfahrenen auf Unerfahrene, von Fortgeschrittenen auf Anfänger. Gemeinsames Lernen ist ein wichtiges Prinzip. Und das geht davon aus: Alle sind auf einem Weg, der eine etwas länger als der andere. Denken in oben und unten ist unangebracht: Die Unterschiede sind nicht das Entscheidende, sondern, dass Entwicklung stattfindet. Das zu sehen, macht allen Freude.

Patenschaft lebt auch vom gemeinsamen Nutzen: Ich helfe dir, du hilfst mir - das Gegenseitigkeitsprinzip, dass Familien zueigen war und über die Generationen einen Ausgleich der Lasten hergestellt hat, kann in der Patenschaft zum generellen Prinzip werden. Hier ist noch viel in Entwicklung, Formen des gemeinsamen Lebens zwischen Jung und Alt zum Beispiel, in denen gegenseitige Hilfeleistung verabredet wird, entwickeln sich langsam. Auch jenseits familiärer Strukturen, die sich verändern aufgrund der Bedingungen unserer mobilen Arbeitswelt.

Hilfen im Tandem

Patenschaft ist dabei so leicht und kann so vielfältig sein: Ob als Vorlesepate, als "grüne Dame" im Krankenhaus oder als Leih-Opa - für jeden gibt es Möglichkeiten, sich mit einem klar abgesteckten Aufwand einzubringen.

Deshalb verfolgt die diesjährige Aktion "Helft uns helfen"ein doppeltes Ziel: Einerseits will sie bestehende und in Aufbau befindliche Patenschaftsmodelle finanziell mit den Spenden unserer Leser fördern; andererseits erhoffen wir uns, dass in Mittelhessen - angestoßen durch die vielen guten Beispiele - Initiativen zu neuen Patenschaften entstehen.

In den vielen Beispielen, die wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, in den nächsten Wochen vorstellen, ist eines immer wieder ein Tenor unserer Gesprächspartner gewesen: Patenschaft kann sehr befriedigend sein für die, die sich engagieren. Die Beispiele machen Lust auf Nachahmung! Deshalb möchte ich Sie heute wieder im Namen aller beteiligten Organisationen und im Namen des Vereins "Helft uns helfen" um Ihre Unterstützung bitten.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr

Dr. Uwe Röndigs

Chefredakteur


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