Massage und Montezumas Rache

Auf der Fähre wurde ich als Fußpassagier abgerechnet, und das Rad fuhr, sicher angebunden trotz nur Miniwellen, unten auf dem Autodeck kostenlos mit. (Foto: Prior)

Der elegante Raum war doppelt so hoch wie normale Räume und wurde dann noch von einer Kuppel gekrönt. Durch kleine Glasbausteine fiel nur gedämpftes Licht hinein. Ich trug nur ein dünnes Leinentuch von der Größe eines Handtuchs und Badelatschen. Mein Rad und alle Habseligkeiten standen im Vorraum.

Von der türkischen Tradition des Badehauses oder "Hamam" hatte ich erst letztes Jahr in den Berichten anderer Reisender gelesen. Und nach der Hotelnacht in Sotschi und den Duschmöglichkeiten auf der Fähre fand ich mich ausreichend vorgereinigt.

Es war nur ein kurzer Weg vom Hafen hinauf in die quirlige Innenstadt von Trabzon. Ich hatte mich von den beiden finnischen Motorradreisenden verabschiedet,  Greta ist auf ihrer ersten Tour mit einem langjährig erfahrenen Arbeitskollegen. Es sei zwanzig Jahre ihr Traum gewesen, den Motorradführerschein zu machen, vor zwei Jahren war dann es so weit gewesen.

Mich führte der Weg geradezu in eines der beiden Hamams im Ort. Der Inhaber hockte mit seinem Sohn im Eingang und war verwundert, wie ich sein Badehaus gefunden hätte. Ich zeigte ihm meine Bildschirmfotos der Webseiten.

Die Adresse war direkt der Männereingang, und ich konnte mein Rad in den Aufenthalts- und gleichzeitig Umkleideraum abstellen.

Von dort aus ging es in einen Vorraum mit Toiletten, Duschen und Liegen, erstere war mir willkommen, hatte sich doch auf der Fähre ein leichter Durchfall angekündigt.

Ich nahm noch eine Dusche und ging dann in den Hauptraum mit den Kuppeln. Marmor bedeckt den Boden und kopfhoch die Wände, hell verputzt ist der Rest. Der Fußboden war beheizt, ganz in der römischen Tradition der Hamams. An den Wänden sah ich Wasserhähne, marmorne Gefäße in der Größe eines großen Kochtopfs und darüber Zinnschalen. Ich strich mit den Fingern über die feinen Muster der Schale und füllte etwas Wasser ein, goß es langsam über mich.  In den Gefäßen befand sich Wasser, mir schien, darüber wird die Luftfeuchtigkeit reguliert.

In der Mitte des Raums, der ungefähr dreißig Grad warm war, eine große Liegefläche aus Marmor. Ganz glatt fühlte er sich an, die abgerundeten Ecken ohne Makel. Ein Kopfkissen aus Leder war einladend zum Ausruhen.

Nach ein paar Minuten ging ich weiter in den kleinen "heißen Raum". Etwa vierzig Grad warm, konnte ich testweise meine Füße nicht auf den Boden stellen. Meine Schweißporen öffneten sich.

Wieder zurück im warmen Raum lag ich einige Minuten auf dem Marmor, bevor mich der Masseur holte. Ich hatte nicht nur "Bad", sondern auch Hautreinigung bestellt.

Neben der Liege aus Marmor auch wieder Becken, Hahn und Zinnschale. Ich wurde erst einmal übergossen und dann mit einer Bürste angenehm abgerieben. Danach folgte eine Massage, und ich merkte, wie verspannt die Oberschenkel waren. Nach der Massage wieder Wassergüsse und daraufhin Einseifen. Auch durch meine chronisch verstopfte Nase drang der angenehme Geruch von Zitrus und Mandeln. Das Einseifen umfasste sogar eine kurze Haarwäsche und wieder Güsse und Sturzbäche von Wasser.

Nach der Reinigung verweilte ich wieder einige Zeit im warmen Raum, bevor ich nach einer Dusche nebst Toilettengang wieder in den Umkleideraum ging. Zuvor tauschte ich noch, so war es mir gezeigt worden, das nasse Leintuch gegen ein frisches aus. Im Umkleideraum wurden mir Handtücher umgehängt, und ich unterhielt mich etwas mit dem Inhaber auf englisch. Am meisten sei am Wochenende los, berichtete er. Und es kämen sowohl kleine Gruppen als auch einzelne Personen.

In der Tat war es mittlerweile belebt, und dass ich in aller Ruhe alles hatte ansehen können, war wohl ein Glücksfall. In Summe nach etwa einer Stunde verließ ich das Badehaus und betrachtete auf dem angrenzenden Platz sitzend mein neues Reiseland.

Unterbrechung der Reise

Weil sich der Durchfall immer häufiger bemerkbar machte (zum Glück sind an türkischen Tankstellen die Toiletten immer geöffnet) und kein Schatten außer einer Art stacheliger Farn an einer Stelle der Strandpromenade entlang der mehrspurigen Straße zu finden war, ich darunter prompt einschlief und mir am bloßen Oberkörper einen Sonnenbrand holte, nur um beim Aufwachen am frühen Nachmittag festzustellen, dass ich oberhalb des Frauenstrands sozusagen im Gebüsch lag (vorher war der Strandabschnitt leer gewesen), nahm ich mir zur Vermeidung jeglicher weiterer Unannehmlichkeiten ein Hotelzimmer.

Nach nur zwanzig Kilometern am ersten Tag und einer Verlängerung im Hotel um eine weitere Nacht werde ich dann erst am dritten Tag in der Türkei auf die Straße kommen. Nach zwei appetitlosen Krankheitstagen wird das aber auch nur ein reduzierter Tag. Schlimmstenfalls werde ich meine Route anpassen müssen und Helmut an anderer Stelle als in Eriwan treffen können. Denn ich möchte auf jeden Fall durch die Berge fahren, ich bin die Hitze nämlich langsam leid. Wie ist nochmal das Wetter in Deutschland? 


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