Blick auf Berlin

Die Kriminalhauptkommissare und Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) untersuchen den Fundort der beiden Leichen. (Foto: rbb/Volker Roloff)

Im Fass entdecken Rubin und Karow einen Herzschrittmacher, der dem Iraner Saed Merizadi (Husam Chadat) eingepflanzt worden ist. Doch dieser lebt in Neukölln - und hatte nie eine Operation. Auch die zweite Leiche bereitet vor allem Rubin Kopfzerbrechen. Und schürt ihr Misstrauen: Das Opfer wurde nämlich mit derselben Waffe erschossen, mit der auch Karows ehemaliger Kollege unter mysteriösen Umständen umgebracht wurde.

Rubin und Karow erweisen sich ein weiteres Mal als würdige Nachfolger ihrer Berliner Vorgänger Ritter und Stark. Zwei Kaliber wie Feuer und Wasser, die einfach nicht warm miteinander werden und lieber auf eigene Faust ermitteln. Regisseur und Grimme-Preisträger Dror Zahavi wirft dem Zuschauer peu à peu Häppchen aus dem Privatleben der Kommissare hin, die dem Wesen der Figuren zunehmend Kontur geben.

Doch damit noch lange nicht genug! Vor allem der unnahbare und sarkastische Karow bleibt für den Zuschauer nach wie vor rätselhaft, was gut zu der horizontal angelegten Erzählweise dieser Tatort-Reihe passt.

Diese Erzählweise ist es jedoch auch, die bei denjenigen, die die erste Folge des neuen Gespanns ("Das Muli") im März verpasst haben, für Verwirrung sorgen könnte. Generell ist es fraglich, wie sinnvoll ein solches Format für Krimireihen ist, deren Ausstrahlung bekanntlich in monatelangen Abständen erfolgt.

Wie schon in "Das Muli" spielt auch diesmal die Stadt Berlin spielt eine tragende Rolle im Geschehen, wie man es sonst vor allem vom Dortmund-Tatort her kennt. Zahlreiche Luft- und Straßenaufnahmen, Lokalkolorit vom Feinsten, der ungeschönte Blick auf Unappetitliches und fast schon omnipräsent: die vorbeirauschende U-Bahn. All das gewürzt mit einer ordentlichen Prise Sozialkritik - ob in Sachen Illegalität und Bleiberecht oder "Luxus statt Lauben" - ohne dabei mahnend den Zeigefinger zu erheben.


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