Fall ohne Wurst

Leiche im See, Kaffee in der Hand: Schenk (Dietmar Bär, l.) und Ballauf (Klaus J. Behrendt) am Tatort. (Foto: WDR/Thomas Kost)

Er soll seinen Mitarbeiter Florin Baciu umgebracht und im Kofferraum eines Autos im Baggersee versenkt haben. Baciu war in dem Familienbetrieb alles andere als beliebt. Nicht nur, weil er unlautere Geschäfte durch Tachomanipulationen abwickelte, sondern auch, weil er obszöne Fotos von Grevels Ehefrau und Tochter auf seinem Rechner besaß. Aber: Baciu lockte auch zahlreiche Kunden an.

Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) steckt knöcheltief in einer Sinnkrise und schießt sich schnell auf Grevel als Täter ein. Der Fall soll alsbald zu den Akten. Aufgrund dieser Einstellung gerät er mit seinem Partner Freddy Schenk (Dietmar Bär) gewaltig aneinander. Nicht mal die obligatorische gemeinsame Currywurst ist mehr möglich. Ballauf geht lieber seiner wiederentdeckten Leidenschaft, dem Schwimmen, nach.

Regisseur Sebastian Ko hat ein Faible für interessante Sichtweisen. Das hat er schon mit dem Kölner Tatort „Kartenhaus“ nachdrücklich unter Beweis gestellt. In seinem neuen Tatort geht es nicht allein darum, wer Baciu umgebracht hat und warum. Vielmehr stellt die Folge „Mitgehangen“ Ursachen und Folgen von missglückter Polizeiarbeit zur Schau. Eine Familie, die innerhalb weniger Tage zerbricht. Die Würde des Menschen, die durch die Polizei mehrfach fahrlässig ignoriert wird. Die Frage: Hätte der Selbstmord von Grevel verhindert werden können? „Das haben wir zu verantworten“, urteilt Schenk. Ein ungewöhnlicher Krimi mit eigenwilliger und mitunter nerviger Musik, der aber ein klares „Einschalten“ verdient hat.


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