Ganz großes Kino

Kennen sich von der Polizeischule: Richard Harloff (Ulrich Matthes, links) und Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur). (Foto: Sichler/HR)

Auf einem Wiesbadener Provinzbahnhof warten - in schönster Wildwest-Manier - drei junge Männer auf einen Reisenden. Dieser steigt aus dem Zug, und wenige Augenblicke später sind die drei Männer tot: erschossen, so zeigen es die Bilder der Überwachungskamera, von einem Unbekannten außerhalb des Blickfeldes. Der Reisende, der sich ahnungslos gibt, ist für Kommissar Murot kein Unbekannter: der aalglatte Richard Harloff (brillant: Ulrich Matthes), sein bester Freund aus Polizeischulzeiten, mittlerweile Drogenbaron in Bolivien - und nun offenbar auf einem Rachefeldzug. Er inszeniert das Geschehen, Murot bleibt nur die Reaktion - bis zum finalen Showdown, bei dem das Theaterblut nur so spritzt.

"Alles Trug, alles Illusion", verkündet ein Erzähler, der im Stil eines antiken Chores das Geschehen kommentiert. Traum, Theater, Film oder gar "Realität" - die doch eigentlich ohnehin keinen Platz hat in einem TV-Krimi? Der Film von Florian Schwarz (Buch: Michael Proehl) vereint Elemente aus der klassischen Tragödie (der schuldlos schuldige Held) mit Highlights aus der Filmgeschichte von Mafia-Movie über Western bis hin zur Ästhetik à la Quentin Tarantino. Für die stimmungsvoll-musikalische Untermalung sorgt das hr-Sinfonieorchester. "Im Schmerz geboren" ist mit einiger Sicherheit der ungewöhnlichste "Tatort" des Jahres und wird für einigen Diskussionsstoff sorgen.


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