125 Tiere und jede Menge Arbeit

INTERVIEW Das Tierheim ist Auffangstation für Hunde, Katzen und Kleintiere

Rottweiler-Mix "Cindy" lebt seit einem Jahr im Wetzlarer Tierheim und ist auf der Suche nach einem neuen Besitzer. Sie war mit Hundebegleiterin Marion Schneider bei der Aktion "Redaktion vor Ort" zu Gast im Forum.

Stefanie Baas vom Tierheim Wetzlar im Gespräch mit Martin H. Heller.

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Frau Baas, Sie sind Kassenwartin des Wetzlarer Tierschutzvereins und im Vorstand tätig. Ist das ein schwieriges Geschäft?

Stefanie Baas: Es ist in erster Linie sehr zeitintensiv und wir alle machen das im Vorstand ehrenamtlich.

Wie viele Mitglieder hat der Tierschutzverein in Wetzlar zur Zeit?

Baas: "Es ist relativ konstant mit etwas über 600 Mitgliedern. Die Struktur der Mitglieder ist etwas älter, deshalb sind uns Jüngere sehr willkommen. Wir hoffen, dass die Anzahl auch weiterhin so hoch bleibt."

Sie betreiben das Tierheim im Magdalenenhäuser Weg. Wie viele Bewohner haben Sie denn dort momentan?

Baas: Derzeit sind es 26 Hunde, 56 Katzen und 43 weitere Tiere, darunter Kaninchen, Meerschweinchen und Vögel."

Was war denn das außergewöhnlichste Tier, das Sie bis jetzt im Tierheim hatten? Ich denke da an ein Krokodil oder etwas Ähnliches.

Baas: So ein großes Kaliber hatten wir noch nicht. Aber eine Schlange hatten wir vor ein paar Monaten. Und über zwei Wochen lebte ein Hängebauchschwein im Tierheim.

Das Leben im Tierheim ist nicht immer nur Freude. Wenn Sie so viele Tiere dort haben, muss es ja auch Menschen geben, die sich darum kümmern. Machen das alles die Ehrenamtlichen oder haben Sie auch fest angestellte Kräfte?

Baas: Ohne fest angestellte Mitarbeiter geht das überhaupt gar nicht. Denn man muss ja jeden Tag dafür Sorge tragen, dass hygienisch alles in Ordnung ist, die Tiere medizinisch versorgt und gefüttert werden. Leider bekommen wir immer mehr kranke Tiere, die wir behandeln müssen. Aber neben unseren derzeit acht Mitarbeitern haben wir glücklicherweise viele ehrenamtliche Helfer und unsere Stammgassigeher, die sich um die Hunde kümmern. Ohne sie würde der Betrieb gar nicht funktionieren.

Da kommen sicherlich jede Menge Kosten auf Sie zu für die acht Mitarbeiter und auch für die Versorgung der Tiere. Wie hoch sind Ihre Ausgaben?

Baas: Wir haben ein Budget in Höhe von 280 000 Euro im Jahr. Der Futteranteil liegt bei etwa 10 000 Euro. Das ist relativ gering, da wir viele Futterboxen in Geschäften aufgestellt haben, Besucher oft Futterspenden bringen und wir mit Lieferanten gute Konditionen ausgehandelt haben.

Wenn ich also so eine Spendenbox sehe, kann ich dort Hunde- oder Katzenfutter hineinlegen und die kommt dann auch bei Ihnen an. Woher kommt denn das Geld für den Verein? Denn die Mitglieder können das allein sicher nicht tragen.

Baas: Das Geld kommt natürlich von den Mitgliedern und auch aus der Vermittlung von Tieren. Denn wir nehmen eine Gebühr, wenn unsere Tiere ein neues Zuhause gefunden haben. Eine weitere Einnahmequelle sind auch die Städte und Gemeinden, für die wir die Aufnahme von Fundtieren übernehmen. Sie geben ihren finanziellen Teil dazu. Dazu kommen immer wieder Spenden aus der Bevölkerung sowie Bußgelder, die uns von Gerichten zugesprochen werden. Hin und wieder hilft uns auch eine Erbschaft. Das sind die wesentlichen Einnahmequellen, aus denen wir unsere finanziellen Aufwendungen bestreiten.

Warum kommen denn Tiere zu Ihnen ins Tierheim?

Baas: Manchmal werden die Tiere aus Zeitmangel abgegeben. Das kann eine vernünftige Entscheidung der Besitzer sein. Es ist einfach nicht gut, wenn ein Hund den ganzen Tag sich selber überlassen wird. Wenn keine Zeit da ist, um etwa spazieren zu gehen, dann ist das Tierheim tatsächlich eine Alternative. Oft sind es auch Fundtiere, die bei uns abgegeben werden. Oder es werden Tiere anonym bei uns abgegeben, wo wir die Gründe nicht kennen, warum sie die Besitzer nicht haben wollen.

Wenn ich nun ein Tier haben möchte, komme ich da einfach zu Ihnen und nehme mir ein Tier mit?

Baas: Grundsätzlich ist es so, dass die Zeit für ein Tier da sein und man sich darüber im Klaren sein muss, für welches Tier man sich letztendlich entscheidet. Unsere Mitarbeiter beraten da auch, wenn es Fragen zum Umgang mit dem Tier gibt. Wir machen es immer so, dass wir etwa bei einem Hund in die Familie reingehen und dort gucken, ob das gewünschte Tier auch in die Umgebung passt. Bei Katzen sollte keine große oder stark befahrene Straße direkt vor der Tür sein, wenn die Katze auch nach draußen gehen soll. Da haben wir immer ein Auge drauf.

- Kontakt: Tierheim Wetzlar Magdalenenhäuser Weg 34, 35578 Wetzlar,  (0 64 41) 2 24 51, E-Mail: tierheim-wetzlar(at)web.de


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