Pechvögel und Glückspilze

HILFE Das Tierheim Dillenburg stellt die besonderen Tiere 2015 vor

Christine Nickel

"Der Glückspilz des Jahres": Katze "Goldie".

Das exotischste Tier im vergangenen Jahr im Dillenburger Tierheim: Landschildkröte "Baby". (Fotos: K. Weber)

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Wer kümmert sich um "Sacho"?

Vereinsvorsitzende Christine Nickel stellt die Pechvögel und Glückspilze unter den Tieren vor:

- "Pechvogel des Jahres"

15 Flugtippler suchen Taubenliebhaber

Pechvogel des Jahres ist "Sacho". Der zwei Jahre alte Hütehundmischling wird von Hundefreunden, die die Einrichtung besuchen, immer übersehen, sagt Nickel. "Sacho" wartet seit Mai 2015 auf eine eigene Familie, die den sehr netten Rüden bei sich aufnimmt. "Wir alle können nicht verstehen, dass er immer noch im Tierheim ist und noch kein Zuhause gefunden hat. Denn Sacho ist ein Traum von einem Hund", sagt die TSV-Vorsitzende ratlos.

- "Längster Insasse mit einem Happy End"

Dass auch ein "Langzeitinsasse" das passende Herrchen, in diesem Fall Frauchen, finden kann, hat "Olga" bewiesen. Über drei Jahre war die Hündin im Tierheim, lebte zuletzt sogar als vierbeinige "Empfangsdame" im Büro und leistete dort zwei Artgenossen Gesellschaft. Seit ein paar Monaten hat sie Menschen für sich ganz alleine und lernt mit ihren mittlerweile siebeneinhalb Jahren die Welt neugierig kennen. Der Schäferhundmischling ist für Christine Nickel und das Team 2015 der "längste Insasse mit einem Happy End".

- "Das schönste Happy End"

Das schönste Happy End kann sich Kater "Felix" zuschreiben lassen. Der alte Herr - "Felix" wurde auf 15 Jahre geschätzt - saß Ende September auf dem Dach des Tierheims. Christine Nickel ließ abends die Hunde noch einmal in die Ausläufe als diese plötzlich laut wurden und bellten. Die Anlage im Dillfeld ist mit einem 2,20 Meter hohen Zaun gesichert. Möglicherweise wurde "Felix" über den Zaun geworfen. Die TSV-Chefin brachte die Hunde wieder rein, holte Futter für die bis dahin fremde Katze. "Doch das Tier war weg, spurlos verschwunden - und dann miaute es vom Dach der Katzenquarantäne. Es sah so aus, als ob der Kater nicht mehr alleine hinunter kommen konnte", sagt Nickel. Sie rückte eine alte Holzbank heran, stellte zwei Stühle darauf und kletterte hinauf, platzierte Futter, um den schwarz-weißen Kater anzulocken. Der ließ sich nicht lange bitten und benutzte Christine Nickel kurzerhand als Leiter hinab auf den sicheren Boden.

"Felix" wurde in die Freiheit entlassen: "Wir sagen Anrufern immer, dass sie die Katze, die bei ihnen vor der Tür sitzt, nicht gleich ins Tierheim bringen sollen. Katzen laufen nun mal frei herum, und die meisten machen einfach mal Pause." Also handelte man bei dem Kater genauso. Doch zwei Tage später war er wieder da, sehr abgemagert und verfilzt. Er wäre wahrscheinlich in der nächsten Nacht gestorben, vermutet Christine Nickel.

Der Kater wurde im Tierheim aufgenommen. Nach nur wenigen Tagen hatte der Katzensenior ein Zuhause. Eine katzenerfahrene und ältere Dame nahm ihn auf: "Dort ist er rundum glücklich und zufrieden."

Aktion "Herrchen gesucht!" in dieser Zeitung stellte 104 Tiere vor - fast alle wurden vermittelt

- "Das exotischste Tier"

"Landschildkröte Baby" steht im Fundtierbuch des Dillenburger Tierheims an einem Tag im Mai. In der Waldstraße in Dillenburg war das exotischste Tier, das 2015 in der Einrichtung war, gefunden worden. Doch auch für sie gab es schnell ein neues Zuhause. Ein Schildkrötenexperte in der Region bekam die noch kleine Landschildkröte. "Dafür waren wie sehr dankbar."

- "Die seltsamste Geschichte"

An die 13 Flugtippler, die am 19. November aufgenommen wurden, wird sich das Team noch lange erinnern. Die Tauben lieferten die seltsamste Geschichte des Tierheimjahres, als sie von einem Radfahrer auf dem benachbarten Gelände der Dillenburger Stadtwerke entdeckt wurden. Die Vögel waren teilweise abgemagert, verwahrlost und so verkotet, dass sie flugunfähig waren. Nach dem Tierarztbesuch badeten sie im Tierheim, die Kotbrocken lösten sich ab - bis auf eine Taube können sie nun alle wieder fliegen.

Anhand der Ringnummern versuchte man den Besitzer zu finden. Zwei ehemalige Eigentümer konnten erreicht werden. Sie hätten die Tiere jedoch abgegeben, wüssten aber nicht mehr an wen, und wollten sie auch nicht zurück haben, erläutert Nickel die Situation. "Das war sehr frustrierend und enttäuschend. Zumal wir oft Brieftauben zu Gast haben und mit ihren Züchtern und Organisationen sehr gute Erfahrungen gemacht haben."

- "Der Glückspilz des Jahres"

Den Glückspilz des Jahres bekam das Tierheim am Silvestertag. Katze "Goldie" wurde am 16. Dezember völlig unterkühlt, abgemagert und torkelnd in Merkenbach auf der Straße gefunden. Sie wog gerade noch 1,6 Kilogramm als der Finder sie in eine Tierarztpraxis brachte. Dort entschied man, sich der Katze anzunehmen und sie medizinisch zu versorgen. Das Tierheim wurde kontaktiert. Am 31. Dezember kam "Goldie", geschätzt auf 15 Jahre, in die Einrichtung und brachte eine Rechnung in Höhe von etwas mehr als 600 Euro mit. Das Tierheim trägt die Kosten. "Goldie" erholt sich zusehends. Sie soll nun in ein liebevolles Zuhause vermittelt werden, wo sie ohne Artgenossen ihren Lebensabend verbringen kann - sie ist FIV positiv und darf deshalb nicht in Kontakt mit anderen Katzen kommen.

"Sie ist unser Glückspilz des Jahres, weil sie mehr tot als lebendig war. Wäre sie nicht gefunden und in die Tierarztpraxis gebracht worden, wo man sich ihr annahm, hätte sie die Nacht nicht überstanden."

Nicht zuletzt ist die wöchentliche Aktion "Herrchen gesucht" in dieser Zeitung sehr erfolgreich. 104 Tiere wurden vorgestellt, fast alle haben längst ein Zuhause gefunden. Für "Sacho", "Trulla", "Ivaine", "Boncuk", "Olex", "Kira", "Tula", "Rayo" "Otto", "Opi", "Luna", "Leira" und "Pinki" und die Flugtippler konnte im alten Jahr noch kein Zuhause gefunden werden. Für einige von ihnen gibt es aber Interessenten.

 

BILANZ 2015

Insgesamt sind in der Statistik des Dillenburger Tierheims 2015 exakt 200 Fundtiere notiert – so viele wie lange nicht mehr, bilanziert die Tierschutzvereins-Vorsitzende Christine Nickel. 2014 waren es 168. Viele Fundtiere seien in sehr schlechtem Zustand, verwahrlost und gesundheitlich stark angeschlagen gebracht worden.
Vermittelt wurden im vergangenen Jahr fast 230 Tiere.
- Weitere Informationen: www.tierheimdillenburg.de


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