Das digitale Einmaleins fehlt

Medienkompetenz ist Schlüssel

Die technischen Fähigkeiten von Jugendlichen haben sich innerhalb weniger Jahre rasant entwickelt. Man könnte meinen, dass der Nachwuchs über eine nie dagewesene Medienkompetenz verfügt. Doch: Medien intuitiv nutzen können, ist nicht gleich Medienkompetenz: Nur weil ich weiß, wie ein Tablet funktioniert, wie ich eine App installiere und bediene oder einen Post bei Facebook absetze, kann ich noch nicht mit dem jeweiligen Medium umgehen.

Dazu gehört ein digitales Einmaleins: Die Erwachsenen müssen den Kindern und Jugendlichen vermitteln, wo die Möglichkeiten, aber auch die Gefahren des Internets liegen. Nur wer um die mitunter fatalen Folgen weiß, die der virtuelle Pranger haben kann, kann auch etwas an seinem Verhalten ändern. Nur wer weiß, dass der aktuelle Schwarm mit den Erotikfotos, die man ihm geschickt hat, mitunter Schindluder treibt, kann beim nächsten Mal genauer drüber nachdenken.

Weitere Grundregeln, die vielen nicht bewusst sind:

Auch im Netz braucht es Netiquette.

Wer im Internet surft, ist nicht anonym.

Und: Wer hetzt, beleidigt oder bedroht, begeht Straftaten und wird bei Anzeige von der Polizei verfolgt ganz real, in der echten Welt.

Das Problem: Auch viele Eltern und Lehrer haben dieses digitale Einmaleins, das sie eigentlich weitergeben müssten, selbst nie gelernt. Viele wissen nicht, welche Folgen ihre Taten im Netz haben können. Dies sieht man immer wieder, wenn beispielsweise die Verfasser von Hetzkommentaren mit selbigen konfrontiert werden. „Was? Das habe ich doch nur in meiner Facebook-Gruppe gepostet. Wie konnten Sie das sehen?“, ist die Reaktion der digital Unwissenden.

Daraus ergibt sich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe: Medienkompetenz ist eine Schlüsselqualifikation des 21. Jahrhunderts. Die Bundesregierung hat sich auf ihre Agenda geschrieben: „Digitale Medienkompetenz für alle Generationen stärken.“ Wie? Diese Antwort bleibt sie bislang schuldig.


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