Die Leben 
nicht vergessen!

Gedenken an die Shoah

Von Christian Hoge

Tage später sitze ich am Laptop und suche den Namen. Viel finde ich nicht. Nur den Hinweis auf den Stolperstein. Ein Name, ein Ort und zwei Daten. Ein Leben von Millionen, das der nationalsozialistische Terror zerstört hat.

Viel mehr ist nicht geblieben von dem Menschen auf dem Stolperstein. Der sorgt immerhin dafür, dass die Person nicht völlig vergessen ist. Wie Hunderte solcher Tafeln, die vor allem an ermordete Juden erinnern – auch in Herborn.

Wer weiter sucht und mehr über die Leben erfährt, lernt: Diese Menschen lebten Seite an Seite mit ihren Nachbarn. Sie engagierten sich in Vereinen, trafen sich in Kneipen, trieben gemeinsam Sport oder waren in der Feuerwehr aktiv.

Aus Nachbarn und Freunden wurden hasserfüllte Gestalten, denen Zerstörung und Mord nicht zu weit gingen. Nicht über Nacht und nicht auf Befehl, sondern nach vielen Jahren, in denen Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft angelangt ist. Judenhass ist keine Erfindung der Nazis. Er gipfelte im Holocaust. Aber er ist nicht vom Himmel gefallen.

Es ist unsere Pflicht, die Leben dieser Menschen nicht zu vergessen. Es sind die Leben unserer Nachbarn. Und es ist unsere Pflicht, den Hass im Keim zu ersticken. Gerade in Zeiten, in denen Hass zur Normalität wird.

Sagen Sie „Nein“! Unsere Nachbarn hätten es so gewollt. Damit der Satz „Nie wieder“ keine Phrase bleibt.


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