Ein bitterer Beigeschmack

Eingleisige 2. Bundesliga

Von Christian Hoge

Eine Ausbildungsliga für die zahlreichen Talente, die sich bei den Top-Clubs tummeln? Vielleicht. Mehr Qualität? Wahrscheinlich. Ein besserer Übergang zu Liga eins? Möglicherweise.

All das hat aber seinen Preis: Durch das Sieb fallen reihenweise Vereine, die viel für den Frauenfußball getan haben – von Delmenhorst bis Sindelfingen. Sie stehen ab sofort in der Regionalliga fast vor verschlossenen Türen.

Selbst souveräne Meister müssen – wie bei den Männern – durch eine Relegation. Andere Clubs können sich die eingleisige 2. Bundesliga nicht leisten. Das zeigt das halbe Dutzend Rückzieher vor der jüngsten Aufstiegsrunde.

Der Deutsche Fußball-Bund hätte Mut zeigen und in der zweithöchsten Spielklasse auf das Mitwirken von Reserven verzichten sollen. So wie es in Frankreich, England und Schweden selbstverständlich ist. Für die Breite des hochklassigen Frauenfußballs hierzulande wäre das ein wahrer Segen gewesen: Mehr Standorte, mehr Konkurrenz und mehr Qualität außerhalb von Wolfsburg, München oder Potsdam.

Stattdessen bleibt ein bitterer Beigeschmack – und die Konstellation könnte zum Debakel führen: Dann, wenn reihenweise zweite Mannschaften die Abschlusstabelle anführen und erst der Fünfte, Sechste oder Siebte der 2. Liga aufstiegsberechtigt ist.

Das wäre die Bestätigung für eine Ausbildungsliga. Dabei geht genau das auch anders: In England treten 20 Reserven in zwei eigenen „development leagues“ (Entwicklungsligen) an. Ganz so viel dürfte ein WM-Dritter und EM-Halbfinalist damit wohl nicht falsch machen.


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Kommentare (1)
Sehr geehrter Herr Hoge,
ich stimme Ihnen voll zu. Der eigentliche Sinn der eingleisigen 2. Frauenbundesliga wäre aus meiner Sicht Vereinen, die noch im Amateur Bereich angesiedelt sind. eine hochklassige Plattform zu mehr
bieten und somit Anerkennung für ihre aufopferungsvolle Arbeit zu geben. Die jetzige Lösung führt zur Degradierung solcher Vereine, die finanziell gegen die Bundesligareserven nichts ausrichten können. So wird zukünftig das Budget entscheiden, wer 2. Liga spielt und wer nicht. Genau das ist der Kardinalfehler. Hätte der DFB Mumm bewiesen, so würden sie den Frauen Zahlungen zugestehen, die man von den Männern abzieht. Also jeder Profiklub müsste dann in einen Fond einbezahlen, der den Frauen zu gute kommt. Und nicht nur den Reservemannschaften des jeweiligen Vereins. Damit würde die Breite im Mädchen- und Frauen Fußball enorm verbessert und die Talentsuche und -förderung enorm verbessert. Und das käme letztlich auch den "grossen" Vereinen zu gute. Ich wünsche den Nicht-Reserve-Mannschaften in dieser Saison viel Glück und hoffe, dass auch die eine oder andere Reserve absteigt.
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