Geheimsache Fernverkehr

Neue Intercity-Verbindung

Von Pascal Reeber

Wenn es anders wäre, dann hätte die Bahn das neue Angebot längst vorstellen können zumindest grob umrissen. Denn es gibt ja offenbar schon konkrete Planungen, jedenfalls konkret genug, um sie dem Oberbürgermeister und dem Landrat vorzulegen. Warum werden dann die Fahrgäste nicht auch informiert? Warum nicht der Fahrgastbeirat eingebunden? Stattdessen werden OB und Landrat verpflichtet, Stillschweigen zu bewahren. Das ist kein guter Umgang mit den Fahrgästen, mit potenziellen Kunden also.

Wobei man sich fragen muss, ob sich für das Fernverkehrsangebot im Lahn-Dill-Kreis überhaupt Kunden finden werden. Bisher deutet nichts darauf hin, dass eine Intercity-Anbindung eine deutliche Verbesserung bringen würde: Auf die bereits stark ausgelastete Bahnstrecke nach Frankfurt kämen weitere Züge, die den Nahverkehr bremsen oder Fahrzeiten verschieben könnten, die aber auf jeden Fall die Zugdichte erhöhen und damit Verspätungen und Störungen wahrscheinlicher machen würden.

Die neuen Züge könnten zudem nicht wesentlich schneller fahren das Auslassen des Haltes in Gießen hin oder her – weil die Strecke kein höheres Tempo zulässt. Schon heute reizen Regionalbahnen nach Frankfurt die Höchstgeschwindigkeit aus. Dafür braucht es keinen Intercity.

Die neuen Züge wären für Reisende Richtung Frankfurt zudem teurer, weil sie nach aktuellem Stand nicht mit Nahverkehrstickets benutzt werden könnten. Stattdessen müssten künftig wieder unterschiedliche Fahrkarten gekauft werden, je nachdem, in welchen Zug man steigt. Ein klarer Rückschritt.

Teurer, komplizierter, nicht wesentlich schneller: Wenn man das zusammenfasst, wird ein wenig klarer, warum die Bahn so sehr mit Informationen knausert: Weil ihr Angebot wohl keine Verbesserung bringen wird. Da ist es nur konsequent, vorab keine Informationen herauszugeben und die Fahrgäste zum Start des Angebots im Jahr 2019 vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Aber: So schafft man keine Akzeptanz für ein neues Angebot.


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