Hans-Jürgen Irmer geht als Absteiger

Von Thomas Hain
Von Thomas Hain

Den Traditionsverein, den er 20 Jahre lang geführt hat, nutzte der Politiker gern als Bühne. Angesichts des großen Ausländeranteils des Clubs zeigt sich der am 28. April 2010 wegen islamfeindlicher Äußerungen vom Hessischen Landtag einstimmig gerügte Hardliner auch schon mal gern als Mann der Integration.

Zufälligerweise vier Tage vor der Kommunalwahl präsentierte er der Öffentlichkeit - mit seinem Foto, versteht sich - ein Projekt Hausaufgabenhilfe für Jugendfußballer. Das dann aber de facto nie stattgefunden hat.

Die Eintracht-Nachrichten erschienen praktischerweise als Beilage des von Irmer herausgegebenen und kostenlos verteilten Parteiblättchens, das allerdings nicht als solches gekennzeichnet ist.

Zur auch dort immer wieder energisch eingeforderten Pressefreiheit hat der ehemalige Oberstudienrat allerdings ein gespaltenes Verhältnis, wenn es um seine Interessen geht. Auf der Internetseite der Eintracht werden unliebsame Berichterstatter im Namen des "geschäftsführenden Vorstands" persönlich verunglimpft. Nachdem Drohanrufe à la Christian Wulff ihr Ziel verfehlt haben.

Vor dem Spiel gegen den FSC Lohfelden wies Irmer gar Ordner an, den von ihm zuvor ausfällig beschimpften Reporter dieser Zeitung "vom Platz zu schaffen" - was erst unter Hinweis auf einen möglichen Polizeieinsatz unterlassen wurde.

Irmer trat bei der Hauptversammlung am Montag - wie seine Stellvertreter Stefan Lottermann und Hermann Sauer - nicht mehr an. Der Machtmensch musste erkennen, dass ihm sein Amt als Eintracht-Präsident inzwischen mehr schadet als nutzt. Zu sehr hatte das Ansehen des Vereins nicht zuletzt unter seiner tätigen Mithilfe gelitten.

Der abgeschlagenen Elf der Wetzlarer Eintracht droht der Abstieg aus der Hessenliga. Irmer, Lottermann und Sauer sind bereits abgestiegen.


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