Herborn braucht einen Vollzeitarchivar

Stadtgeschichte

Von Jörg Weirich

Es ist allerdings für eine Stadt wie Herborn, die nach außen hin immer so großen Wert auf ihre Kultur legt und stolz auf ihre teils in der Tat weltbewegende Geschichte ist, nachgerade ein Armutszeugnis, die Stelle nicht auch wieder offiziell zu besetzen.

Man denke nur an die Hohe Schule und die, die dort wirkten: Johann Heinrich Alsted etwa, dessen „Encyclopaedia“ von 1630 ein Bestseller in fast der ganzen, damals bekannten Welt war und bis nach Südamerika und Mexiko verbreitet wurde. Noch lange ist nicht alles erforscht und aufgearbeitet, was mit Herborns kleiner „Universität“ zusammenhängt, auch wenn Störkel in den über 40 Jahren seines Wirkens in so manches Dunkel schon viel Licht gebracht hat.

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Wer in Erinnerung ruft, dass man die Geschichte der Stadt hegen und pflegen und weiter erforschen muss, wird von so manchem politischen Entscheidungsträger gerne mal belächelt. Oder bekommt zu hören, das koste zu viel Geld, das man für sinnvollere Dinge ausgeben könne. Diese Aussage beruht übrigens auf persönlicher Erfahrung.

Allein die Hohe Schule bietet noch für Jahrzehnte Stoff. Und wer sich damit beschäftigen will und soll, muss über recht profunde Lateinkenntnisse verfügen. Aber Herborns Geschichte hat ja noch viel mehr zu bieten.

Rüdiger Störkel ist ein wandelndes Stadtlexikon. Inzwischen ist er 68 Jahre alt. Wenn er einmal – der Tag möge fern sein – die Augen für immer zu macht, dann stirbt mit ihm auch sein Wissen um diese Stadt.

Diese Stadt – und in dem Fall sind es die politischen Entscheidungsträger und nicht die Verwaltung, an deren Spitze übrigens ein ebenfalls geschichtsbegeisterter Bürgermeister steht –, diese Stadt braucht dringend wieder einen Stadtarchivar. Und zwar einen in Vollzeit. Das Thema ist zu wichtig, als dass man es so nebenbei bearbeiten könnte.

Und schon gar nicht in nur vier Stunden pro Woche.


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