Mit Stahl auf Schulz-Weg

Von Mika Beuster

Laut Handbuch des Bundestags ist er seit 1979 Abgeordneter. Das nach ihm benannte Mierscheid-Gesetz ist ein Prognoseverfahren zum Abschneiden der SPD bei Bundestagswahlen. So entspreche der Stimmanteil für die SPD bei Bundestagswahlen dem Index der Rohstahlproduktion, gemessen in Millionen Tonnen.

Und in der Tat: Es ist recht zuverlässig. 2002 gab es eine Abweichung von Prognose und tatsächlichem Wahlergebnis von gerade 0,05 Prozent. 1990 waren es fünf Prozent, was Mierscheid als Sondereffekt auf den damaligen Kanzlerkandidaten Oskar Lafontaine zurückführte.

Für die im September anstehende Wahl besagt das Gesetz ein Abschneiden der SPD mit Kanzlerkandidat Martin Schulz von 42,7 Prozent. Aber, es gibt ein Problem: „Cum hoc ergo propter hoc“, heißt es auf Latein.

Übersetzt: Erstens besteht kein bewiesener ursächlicher Zusammenhang zwischen Stahl und Wahl.Und Zweitens: Mierscheid gibt es gar nicht. Er ist eine Kunstfigur. Aber auch ohne ihn steht die SPD in Umfragen derzeit ganz gut dar. Belastbar wie Stahl sind Umfragen dabei aber auch selten.


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