Müssen die Aßlarer einen Jäger mieten?

Von Martin H. Heller

Solche gibt es aber außerhalb der Wälder, auf den Feldern und Wiesen der Bauern und anderer privater Besitzer zu Hauf. All jene rund 2700 Grundstückseigentümer in Aßlar sind per Gesetz auch Jagdgenossen, die nicht nur das Recht haben, die Jagdausübung auf ihren Grundstücken zu verpachten, sondern auch die Verpflichtung haben, die Jagd dort ausüben zu lassen.

Würde die Gemeinde, so wie Esch es plant, die Waldflächen einzeln verpachten, blieben die Jagdgenossen, sprich Grundstückseigentümer, in der Feldgemarkung schlechtestenfalls auf ihren neuen Jagdbezirken sitzen. Denn wer wollte die Jagden haben, in denen nachts die Sauen wüten, die sich tagsüber in die Wälder zurückziehen? Kein Waidmann, der noch recht bei Trost ist, würde ein Revier pachten wollen, bei dem der Wildschaden ein Vielfaches von Pacht und Kreis-Jagdsteuer zusammen ausmacht.

Die Folge wäre einfach und für die Grundeigentümer teuer: Diese müssten sich nämlich in letzter Konsequenz einen Jäger einstellen, um der gesetzlichen Pflicht zur Bejagung nachzukommen. Und sie müssten gemeinsam die Wildschäden ihrer Mitgenossen anteilig bezahlen.

Das wäre ein im Lahn-Dill-Kreis bisher beispielloser Fall. Und er ist tatsächlich nicht ganz weit weg. Bis zum 31. März müssen die Jagdgenossen einen neuen Vorstand wählen und ihre Satzung revidieren. Ohne den Magistrat, dessen Vertreter der Bürgermeister ist, geht auch dabei gar nichts. Bleibt Esch bei seiner Haltung, dann könnten die Grundstückseigentümer die Gekniffenen sein.

Esch kann den rechtlich und fiskalisch einwandfreien Weg stur weiter gehen. Er muss in Aßlar keine Kompromisse mehr suchen. Er will ja nicht wiedergewählt werden.

Trotzdem wäre es gut, wenn er sich zum guten Schluss und des lieben Friedens willen dem Kompromiss anschließen würde, den das Parlament bereits gefunden hat. Es ist Zeit, dem unsinnigen Treiben um die Jagd in Aßlar endlich das Halali zu blasen.


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