Politiker, helft!

Von Jörgen Linker

Aber wenn schon keine Entscheidung aus menschlichen Gründen, dann – auch wenn es makaber klingt – vielleicht aus volkswirtschaftlichen Gründen. Die Politik kann die Entscheidung über das Bleiberecht von Menschen wie Siawasch Habib Sada verlagern. Vom Asylrecht auf ein Migrationsrecht mit festen Kriterien für eine Zuwanderung. Die Politik muss dieses Recht schaffen.

Deutschland braucht Fachkräfte, derzeit bleiben wieder zig Lehrstellen, auch im Lahn-Dill-Kreis, unbesetzt. Das kann für ein Unternehmen auch zum K.-o.-Kriterium werden. Und Deutschland braucht viele Ärzte. Vor allem auf dem Land, auch im Lahn-Dill-Kreis, können Hausarztpraxen nicht mehr besetzt werden. Auf der anderen Seite ist ein junger Arzt, hoch qualifiziert und hoch motiviert, lernt in kürzester Zeit perfekt Deutsch und bildet sich weiter – und Deutschland will ihn loswerden.

Vielleicht werden Politiker in ein paar Jahren verzweifelt Ärzte aus dem Ausland anwerben. So wie vor über zehn Jahren, als Politiker versuchten, mit einer Green-Card IT-Fachleute ins Land zu holen, die „IT-Inder“. Vielleicht würden wir dann jemanden wie Siawasch Habid Sada mit Kusshand aufnehmen, jemanden, der auch schon die deutsche Sprache beherrscht. Vielleicht lebt er dann aber in Afghanistan und hat dort bereits eine Arztstelle. Vielleicht lebt er dann auch gar nicht mehr.


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Kommentare (3)
"Er ist Arzt, wir brauchen Ärzte"
Kann er seine Qualifikation nachweisen?
Zum Nachdenken: Er ist jetzt laut Artikel 26 Jahre alt, seit 3 Jahren in Deutschland. Er war also 23 Jahre alt nach einem abgeschlossenen mehr
Medizinstudium.? Im Artikel steht nur, er hat studiert (wie lange?). Es steht nirgends, dass er einen Abschluss hat. Warum bezeichnet man ihn dann als Arzt?
Abiturienten in Deutschland sind durchschnittlich 19 Jahre alt, Medizinstudium minimum 5-6 Jahre.

Sollte er tatsächlich die Qualifikation eines abgeschlossenen medizinischen Studiums haben, ist die Qualifikation durch die entsprechenden Stellen zu prüfen. Dann ist für ihn auch die Möglichkeit über eine qualifizierte Einwanderung möglich.
Grundsätzlich richtiger Ansatz und längst überfällig. Unser Staat muss die Möglichkeit haben, zu entscheiden, wer dauerhaft hier bleibt. Das Asylrecht wird in letzter Zeit ausgehölt, indem es durch gefälschte oder mehr
"nichtvorhandene" Papiere missbraucht wird. Deutschland muss ein Einwanderungsland nach kanadischem oder australischem Vorbild werden. Heißt: Wer dauerhaft hier leben will, muss nachweisen, dass er über die notwendigen Kompetenzen verfügt und die Sprache beherrscht. Das Asylthema sollte man in krisennahe Länder "verlagern", in dem man, z.B. in Nachbarstaaten, für angemessene Unterbringungs- und Verpflegungsmöglichkeiten sorgt. Somit erspart man den "echten" Flüchtlingen die lange und gefährliche Route über das Mittelmeer und den halben Kontinent bis ins "gelobte Land", wo ihre Erwartungen enttäuscht werden. Zudem vermeidet man so die Konfliktpotentiale beim Aufeinandertreffen komplett verschiedener Kulturen und Ideologien, wie sie im vergangenen Jahr vermehrt zu sehen waren.
Auf der anderen Seite:
Ist es OK, wenn wir aus den ärmsten Ländern Fachkräfte abziehen. Wie soll dann dort je eine positive Entwicklung stattfinden?
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