Schlafshirt statt Scheune

Von Maike Wessolowski

Vogelexperte Karl-Heinz Lenz kennt die Geschichte, warum der Kauz der „Totenvogel“ ist:

Früher waren viele Dörfer schlecht beleuchtet, Straßenlaternen gab es wenige. Lag jemand im Sterben, geschah dies zu Hause im Bett, und die Familie hielt Wache. Dafür zündeten sie auch Lampen an, die sie nah ans Fenster stellten.

Dieses Licht zog Motten und andere Insekten magisch an – das nachtaktive Käuzchen hat sich also gerne in der Nähe aufgehalten, um nach Herzenslust zu fressen.

Seinen vermutlich freudigen Ausruf angesichts des Büffets („Kuwitt, kuwitt“) interpretierten die Menschen als Ansprache an den Sterbenden: „Komm mit, komm mit!“ So entstand der Beiname „Totenvogel“.

Menschen, die diesem drohenden Schicksal entkommen wollten, nagelten sogar eine getötete Eule an das Scheunentor.

Der arme Kauz! Heute hat er es besser, denn vor einigen Jahren entdeckte die Konsumwelt als Design für Inneneinrichtung und Bekleidung den Wald für sich: Heute trägt man die Eule also lieber auf dem Schlafshirt als am Scheunentour. Dem Waldkauz wird’s recht sein.


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Kommentare (2)
Früher wurden die Eulen ans Scheunentor genagelt (wie bescheuert!).

Heute werden sie durch letztlich leider nutzlose Windmühlen geschreddert (auch nicht viel besser!).
Nette Geschichte, doch dem Eulentrend laufen Sie hinterher. Dieser hatte seine Hochzeit vor rund 2 Jahren. Inzwischen sind wir beim Einhorn.
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