Sie schaffen das!

Von Mika Beuster

Schreiben wäre dabei übertrieben – er krakelt. Es sind Collagen. Ausgeschnittene Passagen mit Zitaten, aus dem Internet kopiert und mit – meist böswilligen – gekrakelten Kommentaren versehen. Mittlerweile weiß ich: Der Autor ist wohl pensionierter Lehrer und ergeht sich heute in rechtsextremem Hass. Von mir will der Mann unbedingt wissen, ob ich Jude sei (ohne zu sagen, warum das relevant ist), nennt mich „Aktivist der Patrioten-Bekämpfung“ und ergeht sich in Gewaltfantasien, fabuliert etwa von einem Deutschland, in dem einst Kreaturen wie ich ebenso heulen würden, wie die „HJler 1945“. Gestern schrieb mir der alte Herr erneut. Frisch verurteilt in Frankfurt zu 140 Tagessätzen à 65 Euro. Er hat einen intellektuellen Höhepunkt erreicht – „AfD = super!“ lässt er mich wissen, wirft mir „verlogenes Getue“ in einem Artikel über AfD-Rechtsaußen André Poggenburg vor. Nun, sehr geehrter Herr: Ihr Brief ist angekommen. Ich habe zum Glück nur Teile entziffern können, Ihre Schrift! Und die vielen Ausrufezeichen!! Ihr Hass!!!

Vielleicht sparen Sie sich künftig die Zeit, mir zu schreiben. Sie könnten Sinnvolles machen. Einen Kalligraphie-Kurs etwa. Einer alten Dame über die Straße helfen (ohne sie vorher zu fragen, ob sie Jüdin sei). Einem Kind (vielleicht sogar einem, das nicht blond und blauäugig ist) zulächeln. Sich fragen, ob Sie wirklich den Rest Ihres Lebens mit Hass verbringen wollen – oder nicht lieber mit Freude am Leben. Sie schaffen das!


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