Standpunkt

Von Pascal Reeber
Von Pascal Reeber

Die Einführung alter Autokennzeichen ist vor allem eines: ein Alibi-Projekt. Wann immer in den nächsten Jahren mehr Mitbestimmung gefordert wird, werden sich Minister und Fraktionschefs hinstellen und dankend abwinken. Und auf die Kennzeichen verweisen. "Ihr durftet doch da erst mitreden." Dieser Preis ist viel zu hoch!

Und das, wo die Entscheidung auf so dünnen Beinen steht. Schließlich sind für die Studie zur Wiedereinführung nur Menschen in den Städten befragt worden, die ihr Kennzeichen wieder bekommen könnten, also direkt betroffen sind. Dass die zustimmen, überrascht nicht. Fragen Sie mal in Bonn, ob die Stadt wieder Hauptstadt werden sollte.

Man mag den Wunsch nach den alten Kennzeichen, ob sie nun WZ, WEL oder BID heißen, mit Heimatliebe oder Identifikation verbinden. Man kann auch ein weniger schönes Schlagwort benutzen, das es ebenso trifft: Kirchturmdenken. Wenn ich erst meine eigene Stadt auf dem Kennzeichen habe, interessiere ich mich auch nicht mehr für den Kreis. Schlimmer: Dann engagiere ich mich vielleicht auch nicht mehr.

Den Landkreisen droht ein wichtiges Stück Identifikation zu entgleiten, das sie im Moment noch positiv von den Regierungspräsidien unterscheidet. Wenn ihnen das einheitliche Autokennzeichen als Marke abhanden kommt, dann könnten sie ebenfalls zu gesichtslosen Verwaltungen werden, für deren Arbeit sich keiner wirklich interessiert. Das wäre dann der wahre Preis der schönen neuen Kennzeichenvielfalt - ein viel zu hoher!


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