Standpunkt

Von Michael Tietz
Von Michael Tietz

Zwei Jahre hatten sie mit viel Herzblut für ihr Vorhaben gekämpft. Und zum Dank erhielten sie nun eine schallende Ohrfeige von jenen, denen sie einst bei der Kommunalwahl ihr Vertrauen geschenkt hatten.

Einmal mehr ließen die meisten Gladenbacher Parlamentarier jegliches Feingefühl vermissen. Sie legten Desinteresse und Blauäugigkeit an den Tag, die ihresgleichen suchen und kein gutes Licht auf Gladenbach werfen.

Ob dem Turnverein und Sportclub nun weiteres Geld aus der Stadtkasse für den Bau ihrer Sportanlagen zusteht oder nicht, steht auf einem anderen Blatt Papier. Aber zumindest hätten es die Sportler verdient gehabt, dass über ihr Begehren - nämlich einen zusätzlichen Zuschuss zu bekommen - diskutiert wird. Das wollte die große Mehrheit des Parlamentes aber nicht. Zu groß sei noch der Informationsbedarf. Und in der Kürze der Zeit könne ein 56 000 Euro großer Vorschuss nicht einfach so durchgewunken werden, hieß es aus den Fraktionen.

Dies ist aber nur die halbe Wahrheit. Dass es finanzielle Probleme beim Bau des Kunstrasenplatzes und der Leichtathletik-Anlage gibt, dürfte allen Parlamentariern längst bekannt gewesen sein - trotz der Nachrichtensperre aus dem Rathaus. Doch fast keiner von ihnen hat sich in den vergangenen Wochen die Mühe gemacht, einmal bei den Vereinen nach den Gründen dafür zu fragen und mit ihnen nach Lösungen zu suchen. Eine solche Eigeninitiative darf man aber selbst von Feierabendpolitikern verlangen - gerade auch im Hinblick auf den kurzfristig vom Magistrat vorgelegten Dringlichkeitsantrag.

Die Teilnahmslosigkeit der Stadtverordneten passt da ins Bild des mangelhaften Managements des Bürgermeisters. Denn außer ein paar leeren Versprechungen erhielten die Vereine aus dem Rathaus nicht sehr viel Unterstützung.

Noch vor zwei Wochen hatte das Stadtoberhaupt - im Beisein des Finanzministers - dem Turnverein und Sportclub glaubhaft versichert, dass das fehlende Geld ohne größere Probleme beschafft werden könne. Knierim selbst bot sich als Spendensammler an. Doch anscheinend ohne Erfolg.

Wie gute und erfolgreiche Teamarbeit funktioniert, haben die Nachbarn aus Bad Endbach einmal mehr vorgemacht. Auch dort bauen Sportvereine und Kommune gerade neue Sportstätten. Und auch dort gab es finanzielle Schwierigkeiten. Doch mit einem schlüssigen Konzept und guten Kontakten zu Geldgebern gingen sie gemeinsam das Problem an. In Gladenbach reicht es dagegen nur zu einem Possenspiel im "hohen Haus".


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