Steinbrück und Sparkassenchefs: Was ist der Maßstab für ein Gehalt?

Von Jörgen Linker

Noch viel mehr Euros für einen Aktienhändler, der einer Privatbank Millionen-Gewinne erwirtschaftet? Oder das Gehalt eines körperlich schwer arbeitenden Handwerkers?

Ist das Kanzlergehalt angemessen, wenn man es mit dem Lohn des Sparkassenchefs vergleicht? Wahrscheinlich würden Sie Merkel nun mehr Geld gönnen. Aber finden Sie das Kanzlergehalt auch dann noch angemessen, wenn Sie es mit dem Lohn eines Maurers vergleichen? Wahrscheinlich können Sie sich dann eher mit einem Maurer identifizieren. Sie werden sagen, ein Maurer muss schwer arbeiten und darf keinesfalls nur ein Sechstel der Kanzlerin verdienen. Und nun? Rauf mit dem Maurergehalt? Oder runter mit dem Kanzlergehalt?

Die Debatte, die der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück losgetreten hat, ist eine Neiddebatte. Eine Debatte, in der zufällig die Sparkassenvorstände ins Rampenlicht gerückt wurden; es hätten genauso gut andere Berufsgruppen sein können – wenn Steinbrück sie benannt hätte. Es ist eine Debatte über das, was maßlos scheint. Aber was ist der Maßstab? Und wer legt ihn fest?

Alles eine Frage der Perspektive. Meist wird es der Lohn für die eigene Arbeit sein. Jeder nimmt sich als Maßstab. So wie Steinbrück. Kurzum: Sind wir nicht alle ein bisschen Steinbrück?

Schriftsteller Henry Miller hat diese Gesinnung treffend formuliert: „Die richtige Einstellung zu Geld ist habgieriger Abscheu.“


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