Überlegungen bei Null beginnen

Sackpfeife

Von Hartmut Bünger

Ich finde das skandalös. Es gibt sicherlich Themen, die (noch) nicht an die Öffentlichkeit gehören – aber dieses gehört ganz gewiss nicht dazu. Muss man wirklich daran erinnern, dass die Öffentlichkeit nach Paragraf 42 des Grundgesetzes ein Wesensmerkmal parlamentarischer Demokratie ist? Muss man wirklich darauf hinweisen, dass in der Hessischen Gemeindeordnung sehr viel über öffentliche Gemeindeparlamente und öffentliche Ausschüsse steht, aber nur sehr wenig über nicht-öffentliche interfraktionelle Runden? Mit Bürgerbeteiligung, von der heute gerne und geradezu inflationär die Rede ist, hat das jedenfalls nichts zu tun.

Zur Sache ist zu sagen: Für meinen Geschmack sind die Stadtverordneten schon zwei Schritte zu weit. Im Grunde ist der Zustand der Sackpfeife – Berghütte abgebrannt, Bahn und Lift marode – eine Riesenchance. Nämlich bei null zu beginnen und zu fragen: Was wollen wir da oben überhaupt? Für wen wollen wir es? Und wie viel wollen wir es uns kosten lassen? Da gehört alles auf den Prüfstand.

Der Verweis die Befragung, der zufolge den Bürgern Wanderwege, Gastronomie, Kinderspielplatz, Sommerrodelbahn und Sessellift am wichtigsten sind, taugt in meinen Augen wenig. Mal abgesehen davon, dass die Zahl der eingesandten Fragenbögen (537) im Vergleich zur Zahl der Wahlberechtigten (10 009) recht überschaubar ist: Wer genau analysiert, der merkt: Das Ergebnis ist die Folge der Fragestellung. Die Bürger gaben genau das als wichtig an, was da ist.

Wohlgemerkt : Ich bin nicht per se gegen Lift und Rodelbahn. Aber ich bin sehr dafür, die Sackpfeife neu zu denken und nicht vorschnell das Vorhandene fortzuschreiben. Jetzt haben wir die Chance.


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Kommentare (1)
"Ich finde das skandalös."

In Bezug auf die Geheimniskrämerei ist dem wirklich nichts hinzuzufügen; ganz gleich, wie man nun inhaltlich zu der Sache stehen mag.
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