Weder gewollt noch gebraucht

Kreisseniorenrat
Von Hartmut Bünger

Gerade einmal 18 Prozent der wahlberechtigten Senioren über 63 Jahren haben sich beteiligt. Das ist noch nicht einmal jeder Fünfte. Und der Grund kann nicht etwa sein, dass der Weg zur Wahlkabine zu beschwerlich gewesen wäre. Nein, die Senioren hatten mehrere Wochen Zeit, um bequem von zu Hause aus zu wählen. Die geringe Wahlbeteiligung zeigt also vor allem eins: das Desinteresse derer, die man mit dem Gremium beglücken wollte. Zählt man nur die gültigen Stimmen, machte sogar nur jeder Sechste mit. Wohlgemerkt: Nicht von der Gesamtbevölkerung, sondern von den wahlberechtigten Senioren, also von jenen, um deren Interessen es gehen sollte.

Apropos gültige Stimmen: Der Kreis versucht es in seiner Pressemitteilung geschickt zu verschleiern, aber 11,8 Prozent der abgegebenen Stimmen waren ungültig. Jeder achte Brief war also ein Fall für den Papierkorb. Ebenfalls kein Ruhmesblatt.

Die Frage nach der Sinnhaftigkeit des ganzen Projekts stellt sich auch von anderer Seite. 71 Jahre sind die Gewählten für den Kreisseniorenrat im Durchschnitt alt. Schaut man sich die Kandidatenlisten der beiden großen Parteien für die Kreistagswahl an, so sieht man: 32 der CDU-Kandidaten sind über 60 Jahre, acht älter als 70 Jahre. Die SPD schickt 45 über 60-Jährige ins Rennen, ebenfalls acht über 70-Jährige. Und ein Blick auf die aktuell maßgebenden Personen im Kreistag zeigt: Der Fraktionsvorsitzende der CDU ist 65, jener der SPD 63 und der Kreistagsvorsitzende 72. Mit Verlaub, wozu braucht es da noch ein weiteres "Sprachrohr der älteren Generation"?

Von den Kosten der ganzen Aktion gar nicht zu reden. Mit Druckkosten und Porto für 46 308 Wahlunterlagen, 8456-faches Rückporto und der Arbeitszeit der Mitarbeiter in den Verwaltungen der Kommunen und des Kreises ist man schnell bei einem erklecklichen Betrag. Für eine Wahl, bei der es nur in einer Hand voll Kommunen mehr Bewerber als zu vergebende Plätze gab.

Fazit: Die SPD hat sich das Thema Bürgerbeteiligung auf die Fahnen geschrieben und überzieht das Land mit Gremien wie dem Kreisseniorenrat. Das macht nicht immer Sinn, wie dieses Beispiel zeigt.


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