Wetzlar darf stolz sein

Von Steffen Gross

Am Anfang war das Chaos, am Ende verabschieden sich "Freunde" und "Familie" voneinander. Vor einem Jahr wurden auf dem Gelände des Katastrophenschutzlagers in der Spilburg Zelte für Flüchtlinge aufgebaut. Von einer Notunterkunft war zunächst bei der zuständigen Behörde die Rede. Wann und ob überhaupt Flüchtlinge dort einziehen werden, sei offen hieß es damals. Kaum zwei Wochen später wohnten schon mehr als 600 Menschen im Camp. Bis zu 1200 wurden es, als dann auch noch die THW-Fahrzeughalle kurzerhand zum Flüchtlingsheim gemacht wurde. Es fehlte an allem: an sanitären Einrichtungen, medizinischer Versorgung, sozialer Betreuung, angemessener Verpflegung, aber vor allem fehlte es an Informationen. Die Flüchtlinge hinter dem Gitterzaun reagierten mit Frust und Demonstrationen. In der Bevölkerung wurde eine Welle der Hilfsbereitschaft losgetreten. Die Flüchtlingshilfe versuchte, die Massen an Sachspenden und Unterstützung zu koordinieren, doch im Camp waren sie damit nicht willkommen. Sie wurden als störend abgewiesen. Bei allem Verständnis dafür, dass auch die Behörde vom Flüchtlingszustrom überrascht wurde - erst als Friedhelm Block Ende September die Camp-Leitung übernahm, gelang es zusammen mit den vielen ehrenamtlichen Helfern und Ärzten, eine Atmosphäre zu schaffen, die den oft verzweifelten Menschen wirklich gerecht wurde. Darauf kann Wetzlar jetzt stolz sein.


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