„EAB-Opfer“ in Alsfeld müssen nicht frieren

aus Die EAB und die Wärmekrise

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Wetzlarer EAB-Kunden müssen schon länger frieren. Die Nahwärmenetze in Wetzlar (Foto li.) stammen aus Bundeswehrzeiten und gelten als veraltet. Mittels Flugblatt (re.) wurden Anwohner und Fernwärme-Kunden der EAB in Alsfeld auf den Gasliefer-Stopp hingewiesen. Bis Dienstag aber bleibt es warm. Und auch für danach ist eine Lösung gefunden.

Fernwärme-Kunden des insolventen Versorgers EAB in der Theodor-Heuss-Straße atmen auf: Gas wird erst am Dienstag und nicht heute abgedreht. Eine Lösung für danach ist gefunden.

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Alsfeld. Am Donnerstagvormittag muss Mario Ebbert in seiner Wohnung in der Theodor-Heuss-Straße auf dem ehemaligen BGS-Gelände noch nicht frieren. Die Heizung läuft. Genauso das Warmwasser aus dem Hahn. Das Problem: Er ist Kunde der EAB, ein mittlerweile insolventer Fernwärme-Versorger, und er weiß daher zunächst nicht, wie lange dieser Zustand noch anhält. Vor drei Tagen, am 2. Januar, wurden Ebbert sowie rund 20 weitere Kunden in Alsfeld nämlich darüber informiert, dass an diesem Donnerstag, 5. Januar, die Gasversorgung bis auf Weiteres eingestellt wird. Das aber passiert nun doch nicht so schnell. „Die Abstellung ist auf Dienstag verschoben worden“, sagt Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule (CDU) gegenüber unserer Zeitung am Donnerstagmittag. Er hatte sich bereits am Mittwoch mit Anwohnern zum Krisengespräch getroffen und zugesagt, mit der RhönEnergie mit Sitz in Fulda, die die zahlungsunfähige EAB mit Gas beliefert und daher den Lieferstopp angekündigt hatte, in Verhandlung zu treten. Diese verlief aus Sicht der Stadt und der Anwohner erfreulich. Auch eine langfristige Lösung für die Zeit nach Dienstag ist bereits gefunden.

Mobile Heizanlagen sollen besorgt werden

So sollen dann mobile Heizanlagen in den beiden betroffenen Wohnblocks eingesetzt werden. Als „Ölheizungen auf Rädern, die in den Kellern angeschlossen werden” könne man sich diese vorstellen, sagt Paule. Er sei froh, dass die Stadt als Vermittler helfen konnte und bei der Rhön-Energie auch einige Tage für die Anwohner herausholen konnte, sodass diese nicht frieren müssten. Gemeinsam mit den Eigentümern habe man bereits Angebote bei einer Fachfirma eingeholt. Diese habe noch eine mobile Heizanlage auf Lager, die sie bis Dienstag auch installieren könne, so Paule. Eine weitere Heizanlage stelle die Stadt selbst zur Verfügung, die sie im November bei der gleichen Firma als Vorbereitung auf eine mögliche Gasmangellage angeschafft hatte. Die Kosten würden sich Stadt und Eigentümer anteilig aufteilen.

Von außen lässt sich erahnen, dass in den EAB-Standort auf dem ehemaligen BGS-Gelände in Alsfeld länger nicht investiert wurde.
Von außen lässt sich erahnen, dass in den EAB-Standort auf dem ehemaligen BGS-Gelände in Alsfeld länger nicht investiert wurde. (© Maximilian Gerten)

Eigentlich wäre die EAB selbst und nicht die RhönEnergie der richtige Ansprechpartner für Stadt und Anwohner gewesen. Nur ist diese nicht greifbar. Und das nicht erst seit ihrer Insolvenz: „Die letzte Abrechnung der EAB habe ich 2014 erhalten. Ein Wahnsinn“, sagt Anwohner Mario Ebbert, der froh über die Benachrichtigung von der RhönEnergie gewesen sei. „Besser kurzfristig, als gar nicht. Zudem hätten sie das ja gar nicht machen müssen.”

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Auch Bürgermeister Stephan Paule hatte bereits in der Vergangenheit von Problemen mit der EAB erfahren, im November bereits habe es in den Wohnblocks Ausfälle gegeben, weil die Elektrik marode sei. Zudem habe die Stadt in der Kita Krabbelstube, einst wie sämtliche Gebäude auf dem BGS-Gelände an das Fernwärmenetz angeschlossen, auch die Rechnungen an die EAB gezahlt. „Das waren zum Teil horrende Summen. Im Gegenzug war das Unternehmen kein verlässlicher Partner und selten erreichbar”, sagt Paule. Es passe ins Bild, dass der jetzige Insolvenzverwalter der EAB nicht beziffern könne, um wie viele Kunden und welche Rechnungen es sich in Alsfeld handele. Es sei „ein Unding”.

Unter anderem diese Wohneinheiten in der Theodor-Heuss-Straße sind als Fernwärme-Kunden betroffen. Insgesamt sind es rund 20 Kunden.
Unter anderem diese Wohneinheiten in der Theodor-Heuss-Straße sind als Fernwärme-Kunden betroffen. Insgesamt sind es rund 20 Kunden. (© Maximilian Gerten)

Betroffen sind zwei Wohnblocks mit je 13 Wohneinheiten, theoretisch zumindest. Denn einige Wohnungen sind nicht bewohnt, ein Bewohner hätte sich bereits eine Flüssiggasanlage angeschafft, schon vor Jahren. In den vergangenen Jahren haben sich sukzessive immer mehr Menschen von der Fernwärme abgemeldet. Die Stadt gehe daher davon aus, dass es sich um etwa 20 betroffene Wohneinheiten handele.

Parallelen zu Wetzlar

In Wetzlar stellt es sich zum Teil für einige Anwohner im Westend anders dar. Hier harrten einige EAB-Kunden ein halbes Jahr ohne Warmwasser aus. Über die Berichterstattung hatte Ebbert von den Problemen in Wetzlar gehört. Und hat direkt den Kontakt gesucht. Denn an der Lahn weiß man sehr genau, wie sich Kälte anfühlt, schließlich haben einige Kunden der EAB wegen Problemen mit dem Fernwärmenetz im Westend seit einem halben Jahr kein Warmwasser. In Wetzlar hat Ebbert mit Michael Becker einen Leidensgenossen getroffen. Beide tauschen sich per WhatsApp aus, berichtet Becker, der Mitglied der von den Betroffenen im Westend eingerichteten Gruppe „EAB-Opfer” ist.

Im Wetzlarer Westend ist die Lage nach Beckers Worten unverändert: Weiterhin steige aus dem Heizwerk kein Rauch, das Westend friere, wenn auch wegen der milden Temperaturen nicht allzu stark. „Wir sind ziemlich sauer. Wir erwarten Informationen von der Stadt und vom Insolvenzverwalter, die bis heute nicht gekommen sind. Wir hoffen, dass das bald passiert.”

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Das laufende Insolvenzverfahren beobachten die EAB-Kunden derweil mit großem Interesse. In ihrer WhatsApp-Gruppe versuchen sie, die Hintergründe zu verstehen. Und scheitern bisweilen. „Wie kann die EAB insolvent sein, wo ist all das Geld hin?”, fragen die Betroffenen. Zum Hintergrund: Nach Angaben der Energie- und Wassergesellschaft aus Wetzlar hat die EAB hohe Ausstände, weil Gasrechnungen seit geraumer Zeit nicht bezahlt werden. Den schlechten Zustand der technischen Anlagen im Westend deuten die EAB-Kunden als Beleg dafür, dass das Unternehmen lange nicht investiert hat. Mitarbeiter hat die EAB ausweislich der Unternehmensbilanzen schon länger nicht mehr. Wenn eine Firma aber kein Geld ausgibt, weder für Rohstoffe, noch für Reparaturen, noch fürs Personal, wie kann sie dann pleite sein? Diese Frage beschäftigt die Betroffenen im Moment sehr, zumal einige von ihnen bis zuletzt ihre Rechnungen an den Energieversorger zahlten. Andere aber eben nicht. In Alsfeld stellte sich das ähnlich dar. Hier aber konnte nun schnell eine Lösung gefunden werden.

Ein Aushang der RhönEnergie weist am Eingang des Kesselhauses auf die Einstellung der Gasversorgung hin. "Aus Kulanzgründen" habe man den Termin vom 5. Januar auf den 10. Januar verschoben.
Ein Aushang der RhönEnergie weist am Eingang des Kesselhauses auf die Einstellung der Gasversorgung hin. "Aus Kulanzgründen" habe man den Termin vom 5. Januar auf den 10. Januar verschoben. (© Maximilian Gerten)

Mario Ebbert möchte sich am Donnerstagabend mit den weiteren Eigentümern treffen. Alleine in seinem Block mit 13 Wohneinheiten sind es zehn Eigentümer. Sie müssen nun die Einwilligung für die Heizanlagen geben. Und die möglichen Kosten im Blick haben. Die nämlich könnten in Zukunft für den Einzelnen deutlich höher als zuvor ausfallen, befürchtet er.

Das sagt die RhönEnergie

Die RhönEnergie bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Frist zum Ende der Gaslieferung bis zum Dienstag, 10. Januar, verlängert worden ist. Wir haben Verständnis, dass die Anwohner Zeit und etwas Luft benötigen, um entsprechende Alternativen zu organisieren, heißt es von der Pressestelle des Fuldaer Unternehmens. Mitarbeiter seien bereits am Donnerstagmittag in den beiden betroffenen Wohnblöcken gewesen und hätten die entsprechenden Informationen im Eingangsbereich ausgehängt. Zuvor hieß es dort, die RhönEnergie werde die Gaslieferung an den insolventen Fernwärme-Versorger EAB, mit dem rund 20 Wohneinheiten Verträge abgeschlossen haben, bereits am Donnerstag beenden. „Man muss verstehen, dass die RhönEnergie Osthessen bei dieser Fristverlängerung der Kosten-Risiko-Träger ist“, betont die Pressestelle. Konkrete Zahlen, um welche Geldsummen es sich hier handelt und seit wann die EAB die Gaslieferungen nicht mehr zahlt, könne das Unternehmen derzeit aufgrund des laufenden Insolvenzverfahrens nicht herausgeben. Die Anwohner wolle man dennoch nicht im Stich lassen und über die Fristverlängerung hinweg helfen. In den kommenden Tagen würden Energieberater ihre Expertise anbieten und mit ihnen mögliche neue Heizarten und Fördermöglichkeiten eruieren.