Für Busse gilt von Montag an der Samstagsfahrplan

Zur neuen Woche fahren die Busse von Eswe Verkehr auch an Werktagen nach dem Samstagsfahrplan.        Foto: Lukas Görlach
© Lukas Görlach

Eswe Verkehr muss aufgrund von akutem Fahrermangel die Reißleine ziehen. Zum Schulstart werden in Wiesbaden rund 900 Fahrten gestrichen, auch „um Druck“ vom Personal zu nehmen.

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WIESBADEN. Vom kommenden Montag an müssen sich die Wiesbadener auf einen neuen Busfahrplan von Eswe Verkehr einstellen. Denn wie berichtet, soll zum Schuljahresbeginn am 5. September der bisher Montag bis Freitag geltende Fahrplan durch den Samstagfahrplan ersetzt werden. Die städtische Gesellschaft reagiert damit auf die Fahrtausfälle der vergangenen Wochen, die auf Personalmangel und Krankheitsfälle zurückzuführen sind und bei den Fahrgästen für Unmut gesorgt haben.

„Wir wollen Verlässlichkeit in den Fahrplan bringen. Wir schaffen mit dem Samstagsfahrplan ein Grundgerüst und können so eine Fahrerreserve aufbauen, die wir dann nutzen können, um unser Angebot zu erweitern“, sagt Eswe-Verkehr-Pressesprecher Micha Spannaus. Durch den Fahrplanwechsel sollen wieder genug Reservefahrer zur Verfügung stehen, die dann gezielt auf Strecken mit hoher Auslastung Zusatzfahrten anbieten können. In Zahlen heißt das Folgendes: Die 3700 Fahrten, die bisher regulär montags bis freitags durchgeführt wurden, werden auf 2800 Fahrten reduziert.

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„Wir müssen die Reißleine ziehen“

„Wir wollen damit auch Druck vom Fahrpersonal nehmen“, so Eswe-Verkehr-Geschäftsführer Jan Görnemann. Der komplette Schülerverkehr, der von Montag an wieder anläuft, solle jedoch inklusive aller E-Linien normal und ohne Einschränkungen abgewickelt werden. Das gelte auch für die Abholung von der Schule. „Wir sind uns bewusst, dass die Einschränkungen für unsere Fahrgäste gerade zum Schulstart ziemlich erheblich sind, aber wir müssen die Reißleine ziehen“, so Görnemann.

Für die Linien 9, 34, 38, 46 und 49 soll weiterhin der reguläre Fahrplan gelten. Auf den Linien 20, 37 und 47 sind zur Entlastung zusätzlich zum Samstagsfahrplan Verstärkerfahrten geplant, die für die Fahrgäste über den Online-Fahrplan einsehbar sein sollen. Die Linie 28 fährt auch nach dem Samstagsplan, und zwar bis zur Haltestelle „Bismarckplatz“. Die Linien 2 und 43 entfallen hingegen komplett. Keine Anpassung erfolgt auch bei den Nachtfahrten. Alle Nightliner und die Linie 6 fahren nach dem üblichen Fahrplan unter der Woche. Am Samstag bleibt alles gleich. An den Fahrpreisen oder Dauerkartenpreise werde sich, trotz eines eingeschränkteren Angebots, vorläufig jedoch nichts ändern, so Görnemann.

„Wir haben derzeit 750 Busfahrer im Unternehmen. Dazu stehen mehrere Fahrer aktuell wegen Krankheit nicht zur Verfügung. Um das Fahrplanangebot zuverlässig anbieten zu können, benötigen wir eigentlich 850 Fahrer. Wir haben also einen Mangel von über 100 Fahrern“, sagt Martin Pächer, Geschäftsbereichsleiter Busbetrieb bei Eswe Verkehr. Zudem sei auch nicht absehbar, wie es sich im weiteren Verlauf des Jahres mit den Corona-Zahlen verhalte. Der Krankenstand sei, laut Pächer, derzeit die Hauptursache für die Fahrtausfälle der vergangenen Wochen. „Wir reden hier auch nicht von Krankheitsfällen, die nach zwei bis drei Tagen wieder im Dienst sind, sondern von Ausfallzeiten von zwei bis drei Wochen“, erklärt Pächer. Bereits am 18. März war es seitens von Eswe Verkehr zu Fahrplanreduktionen gekommen, um auf den Fahrermangel zu reagieren.

70 Busfahrer verließen Unternehmen seit Jahresanfang

Daran hat auch die Fluktuation von Mitarbeitern der Gesellschaft einen Anteil: Seit Anfang des Jahres haben 70 Busfahrer das Unternehmen verlassen (zwölf in Rente). 42 Mitarbeiter, darunter fünf Rückkehrer, kamen hinzu. Die städtische Gesellschaft hat also 28 Mitarbeiter weniger als noch zu Jahresbeginn. Jan Görnemann spricht in diesem Zuge von einem harten Kampf um das Fahrpersonal. „Wir haben einen bundesweiten Fachkräftemangel. Die Branche kämpft um jeden einzelnen Fahrer. Es kommt derzeit auch bei uns immer wieder zu unlauterem Vorgehen von Kollegen, die Fahrer von uns abwerben wollen.“

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Deshalb sei es wichtig, die Personalbetreuung bei der städtischen Gesellschaft zu intensivieren. „Wir hatten in der Vergangenheit ein Problem in der Führungskultur innerhalb der Belegschaft. Wir brauchen Führungskräfte, die nah an der Belegschaft sind und auch als Ansprechpartner für die Mitarbeiter dienen können. Deshalb gibt es nun Teamleiter, die genau diese Aufgaben wahrnehmen sollen und wir eine neue Servicekultur für unsere Beschäftigten schaffen.“ Wie lange der neue Busfahrplan in Wiesbaden gelten wird, ist offen.