„Ehrenamt braucht konkrete Förderung“

INTERVIEW  Chefredakteur Uwe Röndigs ist als Vorsitzender des Freiwilligenzentrums aktiv

„Ehrenamt und Engagierte brauchen weniger Sonntagsreden und Dankesurkunden, dafür mehr konkrete Förderung, die nicht nur auf das Schließen der Lücken bedacht ist, die sich gerade auftun“, sagt Chefredakteur Uwe Röndigs. (Foto: Schwarz)

Ziel des Freiwilligenzentrums ist es, Anlaufstelle für all diejenigen zu sein, die sich engagieren möchten oder die mit Freiwilligen arbeiten. Gründungsmitglieder sind neben zahlreichen Organisationen auch die Städte Wetzlar, Dillenburg, Weilburg, der Lahn-Dill-Kreis, die Gemeinden Villmar, Sinn, Ehringshausen, Wettenberg und Herborn.

Herr Röndigs, wo engagieren Sie sich ehrenamtlich?

Uwe Röndigs: Mich ehrenamtlich zu engagieren, hat irgendwie immer eine Rolle gespielt. Das fing schon in jungen Jahren als Betreuer auf Ferienfreizeiten und in Jugendgruppen an und setzte sich dann später in kirchlich-sozialen Projekten fort. Die Rollen sind und waren unterschiedlich. Heute spielt es eher eine Rolle, die Arbeit von anderen Engagierten zu erleichtern und verlässliche Strukturen zu schaffen, in denen Menschen aktiv werden können. Ebenso die Koordinierung von Ehrenamtsarbeit spielt eine wachsende Rolle. Denn das passiert nicht einfach nur so nebenbei.

Neben der Arbeit im Freiwilligenzentrum ist der Verein „Helft uns helfen“ für mich wichtig. Hier geht es einerseits um die Förderung einzelner Gruppen, andererseits aber auch darum, gesellschaftlich relevante Themen nach vorn zu bringen und in der Gesellschaft ein Bewusstsein für große Entwicklungen und praktische Handlungsmöglichkeiten zu wecken. Ganz praktisch: Im Kuratorium des Hospizes Mittelhessen in Wetzlar, in dem ich Mitglied bin, werden die Fäden zusammen gesponnen, um die Arbeit zu fördern. Sehr viel Spaß macht mir nach wie vor die Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In meiner Heimatgemeinde bin ich, soweit die Zeit es mir erlaubt, auch heute noch in Gesprächsgruppen unterwegs. Und zum Höhepunkt der Flüchtlingswelle waren meine Familie und ich natürlich auch hier engagiert. Das haben wir selbstverständlich getan. In Limburg war ich vor ein paar Jahren an einer Stiftungsgründung beteiligt. Ehrenamt kann ganz schön vielfältig sein.

Was sind Ihre Beweggründe?

Röndigs: Das hat natürlich mit Werten zu tun. Ego allein macht nicht wirklich Sinn und nicht wirklich Spaß. Etwas zusammen zu erreichen, das ist schon was Besonderes. Erfolge feiert man am besten mit mehreren.

Warum ist Engagement aus Ihrer Sicht wichtig?

Röndigs: Zunächst: Es ist natürlich, sich zu engagieren. Ich kenne viele Menschen, die etwas Nützliches für andere tun und daraus Befriedigung ziehen. Warum denn nicht? Der Mensch definiert sich sozial. Das ist das eine.

Das Andere: Das Gemeinwesen braucht Engagement. Der Staat ist völlig überfordert, wenn wir alle Fragen, Erwartungen und Ansprüche auf ihn projizieren. Das wäre unrealistisch und ungesund. Die Herausforderung der nächsten Jahre wird sein, ein Gleichgewicht herzustellen zwischen den Generationen, zwischen denen die investieren und abfordern. Deshalb muss meines Erachtens der Staat noch viel stärker honorieren, was Ehrenamt leistet und die Rahmenbedingungen schaffen, dass das noch stärker geschieht. Ehrenamt und Engagierte brauchen weniger Sonntagsreden und Dankesurkunden, dafür mehr konkrete Förderung, die nicht nur auf das Schließen der Lücken bedacht ist, die sich gerade auftun.

Was nehmen Sie Positives aus Ihrem Engagement mit?

Röndigs: Ich komme in der Freiwilligenarbeit mit Leuten zusammen, die ich sonst wohl nie treffen würde. Das regt mich an, manchmal auch auf, aber es ist immer mit wichtigen Impulsen verbunden.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere am Freiwilligenzentrum?

Röndigs: Das Freiwilligenzentrum ist eine ganz besondere Einrichtung! Sie vernetzt Engagement, es leistet das, was dringend notwendig ist: Qualifizierung und Debatte über die Freiwilligenarbeit. Auch neben der kommunalen Politik. Gut, dass wir die Mitstreiterinnen und Mitstreiter im Freiwilligenzentrum haben. Sie arbeiten kreativ und fleißig. Das Klima ist offen, wertschätzend und herzlich.

Warum ist es wichtig, dass es das Freiwilligenzentrum gibt?

Röndigs: Das Freiwilligenzentrum, und zu allererst die Mitstreiter von Karin Buchner, haben in den vergangenen Jahren viel geleistet, um die Freiwilligenarbeit in Wetzlar und Mittelhessen nach vorn zu bringen. Die Vernetzung auf Landesebene ist hervorragend. Die Umsetzung von Programmen wie das der engagierten Stadt klappt super, gleichzeitig wird auf die Bedürfnisse vor Ort eingegangen. Das freut mich sehr. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Kommunen und auch Unternehmen diese eigene Qualität des Freiwilligenzentrums erkennen und selbst mitmachen. Es ist wichtig, die Arbeit langfristig zu sichern.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2017
Kommentare (0)
Mehr aus red.web unzugeordnet