„Hitchcock im besten Sinne“

HANDBALL  Bundesligist TV Hüttenberg erkämpft sich nach 11:17 noch ein 28:28 gegen Frisch Auf GöppingenUnterzeile

Freude beim TV Hüttenberg: (v.l.) Daniel Wernig, Tomas Sklenak, Tobias Hahn, Moritz Lambrecht und Ragnar Johannsson bejubeln eine tolle Aufholjagd. (Foto: Weis)

Auf der knapp zehn Minuten später stattfindenden Pressekonferenz in den Katakomben der Sporthalle Gießen Ost legte der neue Trainer von Frisch Auf Göppingen nach dem 28:28 (16:11) seiner Mannschaft beim TV Hüttenberg dann noch einmal nach: „Es ist Wahnsinn, was Adli hier auf die Beine gestellt hat. Hüttenberg ist der stärkste Aufsteiger“, meinte der „Handball-Doktor“ in Richtung seines Kollegen Adalsteinn Eyjolfsson, der sich für die Komplimente artig bedankte, trotz des späten Punktgewinns allerdings trotzdem nicht zu einhundert Prozent zufrieden wirkte.

„Wir kämpfen uns super zurück auf 23:23, machen dann aber drei technische Fehler, was Göppingen wieder ausnutzt, um auf drei wegzugehen. Wenn wir da cooler bleiben, können wir heute vielleicht zwei Punkte hier behalten“, haderte der Isländer hinterher mit seinen Schützlingen.

Dass sich die Blau-Weiß-Roten jedoch nach dem 26:26 in Erlangen vor zehn Tagen überhaupt über den zweiten Punktgewinn in Folge freuen durften, hätten kurz nach der Halbzeitpause wohl nur noch die kühnsten Optimisten geglaubt. Beim 17:11 durch den Göppinger Halblinken Zarko Sesum sah es nämlich danach aus, als ob es die erste echte Packung für den Aufsteiger in dieser Saison setzen sollte. Dank einer starken zweiten Halbzeit und einer abermaligen Aufholjagd in den Schlussminuten jubelten die Hüttenberger am Ende aber ebenso ausgelassen wie bereits in Wetzlar und in Erlangen über die Punkteteilung.

Fernandes trifft nach Doppelpass mit Johannsson zum umjubelten Ausgleich und genießt einfach

„Langsam holen wir die Zähler. Wir wissen, dass wir immer zurückkommen können, egal, wie viele Tore wir aufholen müssen“, lobte Co-Trainer Alois Mraz die erneut fabelhafte Moral des TVH, der zu Beginn der Begegnung vor allem im Angriff, dafür umso weniger in der Abwehr zu überzeugen wusste. Die 3:2:1-Deckung der Gastgeber bekam die von Brack auf diese Formation eingestellten Göppinger in der gesamten ersten Hälfte nicht recht zu fassen.

Bis zum 5:5 durch Mario Fernandes (8.) hatte der Neuling seine Möglichkeiten im Angriff genutzt und geführt, war dann jedoch mit unzureichend vorbereiteten Abschlüssen aus dem Rückraum immer häufiger an Primoz Prost im Frisch-Auf-Kasten gescheitert. So setzten sich die Schwaben nach 16 Minuten auf 10:6 ab. Und weil insbesondere die linke Hüttenberger Abwehrseite beim Versuch, Adrian Pfahl und Tomas Urban zu stoppen, immer wieder ins Leere griff, schien beim 16:11-Pausenstand eine Vorentscheidung gefallen zu sein.

„Wir haben uns in der Kabine zusammengesetzt und gesagt, dass das bislang nicht unser Handball war“, erklärte Hüttenbergs Spielmacher Dominik Mappes hinterher und ergänzte, „dass wir einfach mutiger spielen und direkter auf die Göppinger Abwehr draufgehen wollten“. Was den Hausherren, wenn auch mit etwas Anlaufzeit, im zweiten Abschnitt gelang. Nach dem 17:11 durch Sesum (32.) traf Daniel Wernig elf Minuten später per Siebenmeter zum 19:21, und plötzlich war die zuvor fast verstummte Osthalle wieder da. In dieser Phase hatte auch der bereits nach 26 Minuten von Eyjolfsson zwischen die Pfosten beorderte Fabian Schomburg seinen großen Auftritt: Der TVH-Schlussmann hielt im zweiten Durchgang hinter der auf eine 5:1-Formation umgestellten Abwehr neun zum Teil frei vor ihm abgefeuerte Bälle und pushte seine Mannschaft damit enorm, so dass nach Wernigs Ausgleich zum 23:23 wieder alles möglich schien. „Wir haben die Paraden in dieser Phase gebraucht, sind dank einer ganz starken zweiten Halbzeit überhaupt noch einmal zurückgekommen“, wusste Schomburg.

Selbst als Göppingen abermals auf drei Treffer wegzogen war (26:23, 52.), waren die Hüttenberger einfach nicht kleinzukriegen. Vladan Lipovina erzielte 40 Sekunden vor dem Ende das 27:27. Göppingen traf durch Sesum zwölf Sekunden vor Ende nach einem Kempa-Trick zum 28:27, ehe Fernandes auf der Gegenseite nach 59:54 Minuten und einem Doppelpass mit Ragnar Johannsson zum 28:28-Endstand einwarf.

„Das war heute ein Hitchcock-Thriller im besten Sinne. Ich bin enttäuscht, aber die Zuschauer wurden unterhalten“, fasste Brack zusammen, während TVH-Torschütze Mario Fernandes strahlte: „Unsere Stärke ist vielleicht, dass wir uns nicht zu sehr unter Druck setzen, sondern einfach nur genießen. Wir stehen zwar auf einem Nicht-Abstiegsplatz, aber es ist zu früh, das jetzt bewerten zu wollen. Vom Klassenerhalt spricht deshalb noch keiner.“ Das hatte dem Hüttenberger Kreisläufer ja Gästetrainer Rolf Brack vor laufenden TV-Kameras abgenommen.


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