„Jede Fotografie bedeutet für mich auch Meditation“

Ausstellung  Fotokünstler Dieter Rehm im Museum Rosenhang

Eröffnung der Ausstellung im Rosenhang Museum: Dieter Rehm (v. r.), Antje Helbig und Galerist Andreas Binder. (Foto: Bach)

Der Fotokünstler und Präsident der Akademie der Bildenden Künste München war eigens zur Vernissage der Schau „Suite – unserer lieben Frau“ in die Residenzstadt an der Lahn gekommen. Dabei nutzte er die Gelegenheit, die Stadt kennenzulernen und „vernarrte“ sich auf Anhieb in die vergoldeten Statuen im Schlossgarten. Nur: „Leider habe ich keine Kamera dabei“, bedauerte er.

Kein Wunder, dass er die nicht immer bei sich trägt, erarbeitet Rehm doch seine, überwiegend architektonische Bauten abbildenden Werke vorwiegend mit Großformatkameras. Und wie man im Internet lesen kann mit einer „Linhof oder der schon historischen Deardorff samt unverzichtbarem Stativ, die auf einem Wägelchen zum Einsatzort gezogen werden müssen“.

Rehm dankte Museumsleiter Joachim Legner, der bereits eine seiner großformatigen Fotoarbeiten besitzt und deshalb gerne einmal auch andere Werke des Münchners ausstellen wollte. So sind nun gleich fünf Bilder der Dresdner Frauenkirche in einer Größe von 2,05 Mal 1,40 Meter auf Acryl hinter Aludibond zu sehen. Der Aufnahmestandort ist dabei jeweils identisch, trotzdem ist jedes Werk anders.

„Jede Fotografie bedeutet für mich auch Meditation“, erklärte Dieter Rehm.

Surreale Bilder in teils poppigen Farben

Da er intensiv experimentiert, Filme absichtlich „falsch“ entwickelt, manchmal abgelaufene Filme verwendet, positive und negative Stufen der Bilder vertauscht, Bilder einscannt und dann am Computer bearbeitet und wieder ausdruckt, entstehen surreale, teils mit psychedelischen und manchmal auch poppigen Farben, aber auch als Umkehrungen wie bei Solarisationen etwa. Und jede Arbeit übt eine besondere Faszination auf die Betrachter aus.

Eine andere Serie zeigt den Dresdner Zwinger, ebenfalls als Acrylbild hinter Aludibond. Bei einer weiteren Arbeit hat er mit dem Zwinger „gespielt“ und die rechte Bildhälfte andersfarbig gespiegelt.

Fasziniert hat Rehm zudem das Grüne Gewölbe im Erdgeschoss des Dresdner Residenzschlosses. „Die Begeisterung für das viele Glas und die Spiegelungen haben ihre Wurzeln auch in meiner Herkunft“, verriet der 1955 im oberschwäbischen Memmingen geborene Künstler. „Meine Eltern betrieben ein Glas- und Porzellangeschäft.“

Das Leben von Dieter Rehm wurde neben seinem Studium der Malerei, Fotografie und Kunstpädagogik von 1974 bis 1981 an der Kunstakademie München auch von der Musik stark geprägt: Noch heute spielt er in der Akademieband Gitarre.

Seine Karriere als Fotograf hatte er mit der Gestaltung von Plattencovern für das Label ECM begonnen: Rund 150 Plattencover zieren seine Fotografien, und es sind so bekannte Jazzmusiker wie Keith Jarrett, Pat Metheny und Lester Bowie darunter. Mit dem Aufkommen der CDs mit den viel kleineren Verpackungen beendete er diese Leidenschaft.

Die Ausstellung im Rosenhang Museum ist drei Monate zu sehen. (mb)


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