„Robin Hood“ kämpft auf der Lahn

Theater Open-Air-Spektakel im Juni in Marburg auf schwimmender Bühne / Tretboote dienen als Gefängnis

Für seine letzte Produktion am Hessischen Landestheater greift Intendant Matthias Faltz (hintere Reihe 5. v. l.) noch einmal in die Vollen: Auf einer schwimmenden Bühne auf der Lahn wird im Juni „Robin Hood – Ein Fest für die Gerechtigkeit“ gespielt. (Foto: Uwe Badouin)

Auf einer 15 Mal 18 Meter großen schwimmenden Bühne auf der Lahn feiert am 1. Juni „Robin Hood – Ein Fest für die Gerechtigkeit“ Premiere. Faltz stimmte das Ensemble auf die Produktion ein, die noch einmal alle Gewerke des Theaters fordern wird. Tretboote werden umfunktioniert zu einem Gefängnis, einem Thron oder zu Waffen. Gespielt werden soll auf der Bühne, auf den Fußgängerbrücken und unter den Zuschauern auf den Lahnterrassen. Bis zum 16. Juni sind zehn Vorstellungen geplant.

Eine Konzeptionsprobe ist nicht nur für Außenstehende ziemlich spannend. Auch Schauspieler bekommen einen Einblick in das, was sich die künstlerische Leitung vorstellt. Ob alles so umsetzbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Intendant Faltz und sein Co-Regisseur Philip Lütgenau, die Choreographin Ekaterina Khmara, Chefdramaturg Franz Burkhard, Kostümbildnerin Annie Lenk, Bühnenbildner Fred Bielefeld, Autor Jonas Schneider und der musikalische Leiter Michael Lohmann bereiten die Vorstellungen ihres „Robin Hood“ vor. Und sicher scheint: Die Schauspieler müssen sich warm anziehen – und das ist durchaus wörtlich gemeint.

Schauspieler müssen sich warm anziehen

Für das Open-Air-Spektakel geht es für mache vielleicht auch in die Lahn.

Wer nun glaubt, das Landestheater bringt eine von zahllosen Hollywood-Filmen geprägte Helden-in-Strumpfhosen- oder Tapferer-Held-rettet-Witwen-und-Waisen-Version auf die Bühne, der wird sich vermutlich wundern. Wer ist dieser Robin Hood: Ein stets lustiger Dieb wie Errol Flynn? Ein vorlauter Adliger wie Kevin Costner? Ein einfacher Bogenschütze im Kreuzzugsheer wie Russel Crowe? Man sieht schon daran: Es gibt viele Robin-Hood-Motive. Robin Hood war erst einmal ein Dieb. Wen hat er bestohlen? Die Reichen. Wer ist reich? Im Grunde fast alle in der westlichen, ersten Welt, so das Theater. „Wir wollen keine klassischen Robin-Hood-Bilder bedienen“, meint Faltz. „Wir wollen die Erwartungen der Zuschauer unterlaufen“, ergänzt Lütgenau. So wird es zwei „Gesellschaften“ geben – die Waldgesellschaft der Ausgestoßenen und die Hofgesellschaft der Reichen, der Elite und dazu wird das Publikum zählen. Die Textfassung geschrieben hat Jonas Schneider, Regieassistent am Landestheater. Seine Vorlage soll nun bei den Proben wie eine Stückentwicklung mit zusätzlichem Leben gefüllt werden. Das heißt, dass die Darsteller möglichst eigene Ideen einbringen sollen. Drei Erzähler führen als Narren durch das Stück. Das Team von Fred Bielefeld wird auch die Tretboote aufrüsten. Die Kostüme werden – wie bei Annie Lenk üblich – bunt gemischt Anleihen aus allen möglichen Epochen haben. Sie umschreibt es so: Robin-Hood-Gestalten mit Hipster-Start-up-Elementen. An dem Stück wirkt noch einmal das gesamte Ensemble mit. Nur Annette Müller und Oda Zuschneid, die beide an das Landestheater Tübingen wechseln, werden nicht dabei sein. Hinzu kommen 14 Tänzerinnen. Mit dem Intendanten-Wechsel werden viele das Landestheater verlassen.

„Open-Air-Stücke sind ja immer etwas Besonderes“, sagte Faltz. „Diesmal ist es zudem unsere letzte Produktion.“ Ihm schwebt eine Art Jahrmarkt-Volkstheater vor, mit modernisierter Mittelaltermusik, die aufgrund der besonderen Bedingungen an der Lahn nicht live gespielt wird, sondern vom Band kommt, wie Michael Lohmann erklärte. Dennoch soll auch live gesungen werden.

„Es geht um Gerechtigkeit und wir als Theater kämpfen ja auch immer für Gerechtigkeit. Das passt“, so Faltz. Philip Lütgenau ergänzte: Das Gelände sei „ein Riesenspielplatz, auf dem wir uns austoben können“.


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