„Vorsorge ist besonders wichtig“

Telefonaktion  Chefarzt PD Dr. Frank Ulrich beim „Direkten Draht zum Mediziner“

Frank Ulrich ist Facharzt für Allgemeine, Viszerale Chirurgie mit dem Schwerpunkt Onkologische Chirurgie. Er arbeitet als Chefarzt am Klinikum in Wetzlar und Dillenburg. „Aufgrund des demografischen Wandels steigt die Zahl an Krebserkrankungen bei Patienten im fortgeschrittenen Lebensalter“, sagt der Mediziner. „Deshalb sind Vorsorgeuntersuchungen besonders wichtig.

Zu einer solchen riet er einer 66 Jahre alten Herbornerin. Bei dieser war vor zwei Jahren ein Reflux von Magensäure in die Speiseröhre festgestellt worden. Seitdem nimmt sie ein Medikament, das die Säurebildung im Magen vermindert. Seit einiger Zeit hat sie aber wieder Beschwerden und ist unsicher, ob das Medikament noch wirkt. Ulrich empfahl der Frau, erneut eine Spiegelung von Speiseröhre und Magen zu machen. Auch um auszuschließen, dass sich in der Speiseröhre bereits Zellveränderungen gebildet hätten. Mittels einer Schlüssellochoperation könne man auch eine Magenmanschette anlegen, die den Reflux verhindert. Dann müsse die 66-Jährige nicht dauerhaft Medikamente nehmen.

Eine 59-jährige Frau aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf hat Enddarmkrebs, die behandelnden Ärzte haben einen künstlichen Ausgang empfohlen. Darauf würde die Frau aber gerne verzichten und fragte bei Dr. Ulrich nach, ob es auch eine Alternative gibt. „Die gibt es“, erklärte der Mediziner. Um einzuschätzen, ob eine der speziellen Operationstechniken für die Frau in Frage komme, müssten aber weitere Untersuchungen gemacht werden. Ob bei der Frau auf einen künstlichen Darmausgang verzichtet werden kann, sei insbesondere davon abhängig, wie nah der Krebs am Schließmuskel sitze. Bei Enddarmkrebs sei eine Vorbehandlung mit Bestrahlung und Chemotherapie aber häufig notwendig.

Ein 60-Jähriger aus dem Landkreis Limburg-Weilburg hat einen Tumor im Magen. Der wurde vor Jahren punktiert und als nicht-bösartig befundet. Jetzt sei der bisher ein Zentimeter große Tumor um circa zwei Millimeter gewachsen. Das beunruhigt den Mann sehr. „Jeder Tumor, der weiter wächst, sollte engmaschig kontrolliert werden“, sagte Ulrich

Bestrahlung oder Chemotherapie bei Enddarmkrebs vor Operation häufig notwendig

Um eine konkrete Aussage treffen zu können, brauche er aber die Ergebnisse der Gewebeprobe. Davon, den Tumor – egal ob gut- oder bösartig – um jeden Preis herauszuoperieren, rät er ab. „Ich werde Ihnen nur dann eine Operation empfehlen, wenn das für Sie auch wirklich Sinn macht.“

Weil er Speiseröhrenkrebs hatte, ist einem 56-Jährigen Wetzlarer als Ersatz ein künstlicher Magenschlauch eingesetzt worden. Mittlerweile hat der Mann auch Lebermetastasen und festgestellt, dass sein Urin dunkler ist und seine Augen gelb werden. Wahrscheinlich würden die Lebermetastasen auf die Gallenwege drücken, sodass die Galle nicht richtig abfließen kann, erklärte Dr. Ulrich. Die Trübung spreche für eine Form der Gelbsucht. Sein Vorschlag: In die Gallenwege könnten Röhrchen eingesetzt werden, die dafür sorgen, dass die Galle wieder abfließen kann. Gegen die Metastasen selbst gehe wohl kein Weg an einer Chemotherapie vorbei.


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