400 Menschen setzen starke Zeichen

DEMO Wetzlar gedenkt der Holocaust-Opfer und erteilt Pegida eine Absage

Mahngang vom Buderusplatz zur ehemaligen Synagoge.

Kundgebung auf dem Eisenmarkt: Dort traten die Redner vor die Demonstrationsteilnehmer und erteilten Pegida unter viel Applaus eine Absage. (Fotos: Gross)

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Schon als sich gegen 18 Uhr zum Auftakt der Buderusplatz mehr und mehr mit Menschen füllte, war klar: Der Aufruf hat Wirkung gezeigt. Für die Organisationen, die sich unter dem Dach des Bündnisses "Wetzlar Bunt Statt Braun" zusammengefunden hatten, begrüßte Ernst Richter die Teilnehmer, darunter auch viele Mitbürger mit Migrationshintergrund. Ihnen rief Richter zu, dass sie "eine Bereicherung für unsere Gesellschaft" seien "und keine Belastung" - wie von der Pegida-Bewegung in den vergangenen Wochen immer wieder geäußert. Migranten würden sie zur "kulturellen Vielfalt der Gesellschaft" beitragen. "Wir brauchen keine Pegida!", rief der frühere Geschäftsführer des DGB Mittelhessen.

Vom Buderusplatz aus startete dann ein schweigender Mahngang im Gedenken an die Holcaust-Opfer zur ehemaligen Synagoge in der Pfannenstielsgasse. Vorneweg ein Transparent "Wetzlar Bunt statt Braun", gehalten von Landrat Wolfgang Schuster (SPD), der Grünen-Landtagsabgeordneten Mürvet Öztürk, dem Hauptamtlichen Kreisbeigeordneten Stephan Aurand (SPD), Stadtrat Norbert Kortlüke (Grüne) und Jörg Kratkey, Vorsitzender der SPD-Stadtverordnetenfraktion.

Teilnehmer entzünden Kerzen im Gedenken an die Opfer des Holocausts

An der ehemaligen Synagoge erinnerte Pfarrer Wolfgang Grieb an die Gräueltaten der Nazis, an die Ermordung von Millionen Juden. Dazu entzündeten die Teilnehmer Kerzen.

Nach dem Gedenken folgte Teil zwei der Veranstaltung: Ein Demonstrationszug setzte sich zur Kundgebung auf dem Eisenmarkt in Bewegung. "Wehret den Anfängen", mahnte Richter zum Auftakt der Kundgebung. Der verhinderte Oberbürgermeister Wolfram Dette (FDP) ließ ausrichten, er hoffe, dass mit der Veranstaltung ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Wetzlar gesetzt werde. Regierungspräsident Lars Witteck (CDU), ebenfalls verhindert, hatte den Organisatoren geschrieben: "Ich finde es toll, dass die Stadtgesellschaft in Wetzlar ein solches Bündnis zusammengestellt hat, um gegen Ausgrenzung und Fremdenhass Gesicht zu zeigen."

Landrat Schuster stellte Parallelen zwischen den Nazis und Pegida heraus: "Dreckspack, Lügenpresse und anders mehr - sie benutzen heute dasselbe Vokabular wie damals." Am Vorabend der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau vor 70 Jahren sagte Schuster: "Auschwitz stand am Ende, am Anfang waren Worte."

Für die Migrantengruppen redete Mürvet Öztürk. Sie sagte, die Geschichte Deutschlands nach 1945 "ist unsere gemeinsame Geschichte. Wir müssen gemeinsam für Pluralismus und Weltoffenheit in Deutschland einstehen."

Roland Rust warnte als Superintendent der beiden Evangelischen Kirchenkreise, dass Antisemitismus nach wie vor allgegenwärtig sei. Auf die schwierige Situation in Frankreich nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" ging Ingolf Hoefer am Rednerpult als Vertreter der Deutsch-Französischen Gesellschaft ein. "Für Freiheitsrechte müssen wir uns international engagieren", sagte Hoefer. Walter Schäfer von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft berichtete, welche Folgen die Erziehung der Nazis bei jungen Menschen damals auslöste. Er mahnte, Schulen sollten deshalb heute "Stätten für das Erlernen des aufrechten Ganges" sein. Zum Abschluss der Kundgebung wurde "The Song of Hope" vom Projekt "Wetzlar gegen Rassismus" gesungen.


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