700 000 Kilometer im Sattel

RADSPORT Fabian Wegmann beendet mit 36 seine Profikarriere

Wegmann, der Sunnyboy, immer gut drauf, dem man die Leiden auf dem Rad aber wie kaum einem anderen ansehen konnte, erwartet das Leben danach - nicht ohne Radsport. Am Ende, wenn alles noch einmal an einem vorbeirauscht, ist selbst die größte Niederlage gar nicht mehr so groß.

Am 24. Juli 2008 erlebte Fabian Wegmann die ganze Härte eines Radprofis kennen. Geschunden von fünf Stürzen an den Tagen zuvor bei den Etappen der Tour de France, mit Sitzproblemen wegen Entzündungen, einem heruntergewirtschafteten Immunsystem, muss er mit Juan Antonio Flecha und Romain Feillu 188 Kilometer hinter dem Feld herhetzen. In Montlucon wird das Weltklassetrio, zwei Tage vor dem Finale in Paris, wegen Zeitüberschreitung aus dem Rennen genommen.

Nun hat der Münsteraner nach 15 Saisons als Berufsfahrer, nach gut und gerne 700 000 Kilometern auf dem Rad, die Rennmaschine in die Ecke gestellt. Der Abschied sei ihm nach den letzten zwei Saisons nicht mehr ganz so schwergefallen. Ein, zwei Angebote von Teams der zweiten Liga gab es, nichts riss Wegmann vom Hocker.

"Körperlich", sagt er, "geht es mir ganz gut. Ich bin nicht ausgebrannt und muss auch nicht abtrainieren." Mit dem Joggen hat er angefangen, acht bis zehn Kilometer, anstrengend sei das nicht. Er braucht Herausforderung. Als er unlängst 400 Seiten auf Englisch bei der Prüfung zur Lizenz für die Sportliche Leitung eines Radsport-Teams büffeln musste, war das schwieriger. "Ich war an der Grenze, zwei Stunden sitzen tut weh."

Sagt er, und lacht, er, der unzählige Stunden in dem schmalen Rennradsattel verbracht hat. Seinen ersten Giro d’Italia und den Gewinn des Bergtrikots wird er nie vergessen. Auch nicht den Start der Tour-Etappe (2005) in Pforzheim als Mann im Bergtrikot, gefeiert wie ein Popstar. Die guten Dinge behält er in Erinnerung.

Gedopt hat er nach eigenen Worten nie

Heute? Das war es nun mit dem Profi-Radsport. Vorerst. Und auch das gehörte immer dazu. Doping, immer wieder Doping. Überführte Sportler, manipulierende Teamchefs, verseuchte Equipen, dubiose Ärzte, Skandale in Hülle und Fülle. Die Frage sei erlaubt, er habe darauf gewartet. Also, Frage: "Jetzt können sie es ja sagen, haben Sie jemals gedopt oder waren Sie in Versuchung?" Wegmann: "Nein, nie."

Fabian Wegmann im Radsport bleiben. Einige Projekte gibt es, diese behält er noch für sich. Aber der 36-Jährige hat vorgesorgt. Er hat beim Weltverband UCI in Aigle/Schweiz die Lizenz als Sportlicher Leiter erworben, somit darf er Profiteams im Radsport betreuen. Zudem besitzt er die B-Lizenz für Trainer. Er will seine vielen Kontakte in der Szene weiter beruflich nutzen.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2016
Kommentare (0)
Mehr aus red.web unzugeordnet