7500 Menschen stellen sich in Marburg gegen Rechtsextremismus

Kundgebung  „Hier ist kein Platz für Rassismus“

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Der Zug durch die Stadt wollte kein Ende nehmen, der Marktplatz war schon voll, als immer noch mehr Menschen hineindrängten. Das Bedürfnis, sich nach den Ausschreitungen in Chemnitz gegen Fremdenhass, gegen Gewalt und gegen Rechtsextremismus zu stellen, war deutlich sichtbar.

So lief #wirsindmehr in Marburg

Über Parteiengrenzen hinweg, quer durch alle Glaubensrichtungen waren Bürger dem Aufruf des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung gefolgt. 120 Institutionen, Vereine und Unternehmen unterstützten die Kundgebung, die deutlich mehr Menschen als erwartet auf die Straße lockte: Die Polizei hatte zuvor mit etwa 1000 Teilnehmern gerechnet.

Der Protestmarsch zog vom Erwin-Piscator-Haus über Biegenstraße, Rudolphsplatz und Universitätsstraße über den Hanno-Drechsler-Platz auf den Marktplatz. „Es darf keinen Zweifel geben: Wer Menschen nach Kategorien abwertet, seien sie rassistisch, homophob oder antisemitisch, wer rechtsextremes Gedankengut verbreitet, der stellt sich außerhalb unserer demokratischen Gesellschaft“, sagte Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) bei der Abschlusskundgebung.

Er ging auch auf die Ereignisse in Chemnitz ein und auf die Diskussion, ob es tatsächlich Hetzjagden gegeben habe. „Es kommt nicht darauf an, wie es heißt, sondern was man dagegen tut“, sagte er. „Nötig sind klare Signale. Hier müssen wir alle Farbe bekennen.“

Gänsehautmoment, als Robert Oberbeck „Keep on rockin` in a free world“ singt 

Spies erklärte auch, dass nicht alle Menschen, die auf eine Pegida-Demonstration gingen, zugleich Rechtsextremisten seien – es seien Menschen, die Angst hätten vor der ungeheuren Dynamik des modernen Lebens, vor Veränderung oder sozialem Abstieg.

Diese Ängste dürften nicht ignoriert werden. „Aber niemand darf ignorieren, wenn bei einer Demo der Hitlergruß gezeigt und Menschen gejagt werden. Es darf und muss von allen anständigen Bürgern dieses Landes erwartet werden, dass sie einen Ort, eine Demonstration verlassen, auf der rassistische Parolen skandiert werden und auf der Gewalt ausgeübt wird.“

Spies’ Rede wurde immer wieder von Applaus unterbrochen. Redebeiträge kamen auch von der stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteherin Elke Neuwohner und Professorin Evelyn Korn, Vizepräsidentin der Philipps-Universität.

Georg Simonsky berichtete von den Ereignissen in Chemnitz, wo seine Gruppe – Teilnehmende der Gegendemonstration am Samstag – angegriffen und bedroht wurde. „Das, was gerade passiert, geht uns alle an, denn es ist ein Angriff auf unsere demokratische Gesellschaft“, sagte er.

Umrahmt wurde die Kundgebung mit einem Kulturprogramm. Das Hessische Landestheater machte den Auftakt mit Texten, unter anderem von Berthold Brecht. Robert Oberbeck begleitete die Redebeiträge bei der Kundgebung musikalisch und sorgte für einen Gänsehautmoment, als er – zusammen mit Dekan Burkhard zur Nieden am Akkordeon – anstimmte und aus Tausenden Kehlen „Keep on rockin` in a free world“ erklang.


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