AT: Mars-Botschafter Robert Schröder

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Den heute 41-jährigen Reisehungrigen juckte es schon in den Radlerwaden, die rund 50 Kilo schwere Ausrüstung stand gepackt bereit - was noch fehlte, war der Fahrradrahmen. Lieferschwierigkeiten, hieß es; eine Geduldsprobe, die Beck auf zahlreiche Wartezeiten vor diversen Grenzübergängen vorbereiten sollte.

Am 5. August 2012 konnte der Trip endlich mit einer rasanten Abfahrt vom Dünsberg beginnen. Erstes großes Etappenziel war die Zugspitze. "Auf den letzten Metern nahm ich kurzerhand mein Bike huckepack und kraxelte bis zum Gipfel", berichtet er.

Der "Camino de Santiago", der Jakobsweg, sollte den Launsbacher länger als geplant fesseln. Begleitet von Pilgern auf Pferden, zu Fuß oder gar auf dem Einrad gab sich Beck der Faszination des Weges hin. "Pläne sind dazu da, sie zu ändern", dieses Motto galt die gesamten zwei Jahre über.

Großstadtdschungel

Nach sechs Monaten Reisezeit setzte Beck per Fähre über die Straße von Gibraltar auf den schwarzen Kontinent. Als "sanfter Einstieg" ging es in Marokko vom turbulenten Marrakesch zu den Berber-Völkern im Atlasgebirge und bis in die Sahara. Auf einsamen Pisten pflügte sich Beck, begleitet von Kamelen, durch den Sand. Traf auf traditionelle Nomadenvölker in Mauretanien und landete in Dakar. Dort begann die Jagd nach einem Visum. Nach 300 Kilometern durch den Großstadtdschungel konnte er endlich das ersehnte Dokument in die Satteltaschen packen. Es sollte nicht die einzige derartige Jagd bleiben. "Unterwegs habe ich gefühlt 1000 neue Begriffe für Schmiergeld kennengelernt" erinnert sich Beck. Denn neben all der Herzlichkeit und Gastfreundschaft, auf die er fast überall traf, war auch die Korruption ein stetiger Reisebegleiter.

Straßensperren galt es teils mitten im Dschungel zu überwinden. Einziges Mittel, um weiterzukommen, waren dann oft nur ein paar Geldscheine. Oder aber eine Palme. Denn in Gambia hatte Beck einen sehr hilfsbereiten Deutschen kennengelernt: Herrn Palme. Der drückte ihm ein Bündel mit palmenförmigen Aufklebern für die weitere Reise in die Hand. Und die sollten Johannes Beck tatsächlich immer wieder weiterhelfen.

"In der Sahelzone war Kamelfleisch meine alltägliche Nahrung, im Laufe der Reise gesellte sich dann der Maniokbrei Foufou dazu", erzählt Beck mit Blick auf seine Reiseverpflegung. Aber auch Rattenfleisch und Fledermausbraten sollten dem neugierigen Reisenden nicht verwehrt bleiben. Das eine oder andere gesundheitliche Problem blieb nicht aus, von allergischer Reaktion auf Rattengift bis hin zu mehreren Malaria-Schüben. "Richtig lange pausieren musste ich selten", sagt er mit einem Augenzwinkern. Eine gute Grundkonstitution und gute Pflege vor Ort schienen ihr Übriges getan zu haben.

"Die persönlichen Begegnungen mit unterschiedlichsten Menschen waren mit Abstand der bereichernste Aspekt meiner Reise" so der kontaktfreudige Launsbacher. Immer wieder begleiteten ihn Horden von Kindern ein Stück des Weges. Denn der Weiße mit dem bepackten Fahrrad war allerorten eine Attraktion. In vielen Dörfern wurde Beck ein Platz zum Schlafen in der Schule angeboten, wo sich nach geselligen Abenden bis weit nach Mitternacht schon früh am nächsten Morgen neugierige Schulkinder um den Schlafenden versammelten.

Durch das von harten Bürgerkriegen gezeichnete Liberia und an der Elfenbeinküste entlang führte die Reiseroute nach zahlreichen nervenzehrenden Visaanträgen über Ghana, Togo, Benin bis nach Nigeria. Irgendwo verlor Beck dann zu allem Überfluss ein Pedal. Aber wie so oft machten sich das Improvisationstalent sowohl des Reisenden als auch freundlicher Helfer bezahlt.

"In Kamerun war es besonders die Natur in den Bergen mit Wasserfällen und malerischen Flusslandschaften, die mich tief beeindruckte", berichtet der Langzeitreisende.

Im Kongo sollte er dann wieder lange festsitzen. Ganze zwei Monate, bis er sein Visum erhielt. Da halfen keine Palmenaufkleber oder Geldbündel. Letztlich hatte er seinen Pass zur Botschaft in Deutschland geschickt, was die ersehnte Genehmigung brachte.

Im reichen Ölstaat Angola stieß er auf Probleme der ganz anderen Art. Trinkwasser beispielsweise schien dort deutlich teurer zu sein als Benzin. In Namibia angekommen, lockten die Nationalparks. Zebras, Antilopen und eine imposante Steppe, nach kurzer Zeit war der Mittelhesse verliebt in das Land. Dort bestieg der Freigeist erstmals wieder ein Auto, da er mit dem Fahrrad keinen Zutritt zu dem imposanten Nationalparks hatte. "Wie ein Tier im Käfig habe ich mich gefühlt und war froh, nach zwei Tagen die Blechbüchse wieder zu verlassen und mich über Staubpisten weiter in Richtung Windhoek zu bewegen", so der freiheitsleibende Reisende.

Magischer Moment

Südlich des Äquators begannen dann kurz vor dem Ziel der Reise magische Momente für Johannes Beck. Zwischen Springböcken und Zebras übernachtete er in den Weiten Südafrikas unter dem schier endlosen Sternenhimmel. Er genoss die Nähe der Natur und die absolute Freiheit. Eine Freiheit, die ihn bis zur Ankunft an Afrikas Südspitze begleiten sollte. Nach genau zwei Jahren und tausenden Kilometern im Sattel war der erträumte Moment da: die Ankunft am Kap Agulhas.


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