AT: Mars-Botschafter Robert Schröder

Grabungsleiterin Sonja Wedmann untersucht unterm Mikroskop eine neun Millimeter große Stinkwanze.

(Foto: Schiek)

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An der gleichen Stelle, an der Grabungsteams 2013 ein weiteres Urpferdchen und ein Rieseneichhörnchen (Ailuravus macrurus) fanden, gab es 2014 "das normale Fundspektrum", so Stefan Schaal vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt: Pflanzen, Insekten, Wirbeltiere - und zwar zu 95 Prozent Fische.

"Die Grabung 2013 mit derart vielen Säugetierfunden war eher die Ausnahme als die Regel", sagt Grabungsleiterin Sonja Wedmann von der Messeler Forschungsstation. Mehrere Grabungsteams hatten zwischen April und Oktober 2014 unmittelbar unterhalb der Urpferd-Fundstelle eine Fläche von sieben mal elf Meter Breite bis zu fünfzig Zentimeter abgetragen. Ergebnis: ein 38 Kubikmeter mächtiges Gesteinspaket und sieben Kubikmeter Ölschiefer, in denen die Schichten 5000 von insgesamt 47 Millionen Jahren abbilden. Ein für Paläontologen eher kurzer Zeitraum, in dem Massen von Insekten zum Grund des Maarsees gesunken sind.

Fossile Wanzen

"Köcherfliegenköcher finden wir in ufernahen Schichten weit häufiger als hin zur Seemitte", sagt Sonja Wedmann, die einen Lehrauftrag an der Frankfurter Goethe-Universität hat. Prachtkäfer mit farbig irisierenden Panzern, Riesenameisen mit einer Flügelspanne von 15 Zentimetern, Bienen, Wespen und Wanzen des Urzeitsees findet die Paläoentomologin nach eigenen Angaben aber "nicht weniger spannend als Säugetiere".

Mit ihren Arbeiten zu fossilen Insekten hat Sonja Wedmann ein Kapitel aufgeschlagen, das bislang weniger bekannt ist: Mit der Beschreibung des "Wandelnden Blattes", des weltweit einzigen fossilen Nachweises aus dem Messeler Ölschiefer, gelang ihr in der Forscherszene eine Sensation, 2009 folgte mit dem Nachweis von 47 Millionen Jahre alten Blattschneiderbienen ein weiterer Erfolg.

Während die Insektenfunde des Vorjahres "nach und nach gesichtet" werden und nur die seltenen oder gut erhaltenen Funde in das mehr als 16 000 Exemplare umfassende Insektenarchiv des Senckenberg-Instituts aufgenommen werden, konzentriert sich Sonja Wedmann auf Holzwespen und Wanzen. Die Artenvielfalt ist im Messeler Maarsee groß, die Wanzen haben die Forscher in 30 Morphotypen unterteilt, darunter sind räuberische und parasitär lebende Arten und Pflanzenfresser. Fossile Messeler Wanzen, die Sonja Wedmann mit Funden vom Green River in den USA und dem Maarsee Menat in Frankreich vergleicht, sollen neue Ergebnisse über die Stammesgeschichte dieser Kleinstlebewesen und ihrer Lebensräume liefern.

Die 2014 mit französischen und deutschen Studenten betriebene Pilotgrabung des Senckenberg-Instituts an einer neu erschlossenen Fundstelle in der Auvergne, ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mitfinanziertes Projekt, kann weitere Perspektiven auftun, hofft Sonja Wedmann.

Weiter forschen

"In Sedimenten überlieferte, seit Millionen von Jahren exzellent erhaltene Wanzen erhalten für uns eine Bedeutung als Nachweis der ungeheuren Vielfalt der Insektenfauna. Wir setzen sie unter anderem mit landlebenden Arten des urzeitlichen, aber auch des heutigen Regenwalds in Beziehung", erklärt Sonja Wedmann. "Die Wanzenfunde dokumentieren, ebenso wie Vögel oder auch Pflanzen, die noch immer nicht genügend erforschte Vielfalt des Lebens".

- Weitere Infos zur Grube Messel und zum dortigen Besucherzentrum gibt es im Internet unter: www.grube-messel.de


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