Ärztemangel? Nicht überall

GESUNDHEITSREPORT Gladenbach ist überversorgt, Biedenkopf überaltert

Das zeigt der neue "Regionale Gesundheitsreport", den das Hessische Sozialministerium und die Kassenärztliche Vereinigung für das Land neu aufgelegt haben. Darin wird deutlich, dass es im Kreis eine Zweiteilung gibt: Die so genannten Mittelbereiche Gladenbach und Marburg sind mit Hausärzten statistisch überversorgt, Biedenkopf, Kirchhain und Stadtallendorf haben auf der anderen Seite schon heute eine Unterversorgung. Betrachtet man die Altersstruktur der Mediziner, ist die Situation im Bereich Biedenkopf am brisantesten: Hier ist über die Hälfte aller Hausärzte aktuell über 55 Jahre alt.

Patienten in Breidenbach haben die kürzesten Wege zu fahren

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Auch die Wege zum Arzt wurden hessenweit untersucht: Demnach muss ein Patient im Schnitt 5,1 Kilometer bis zum nächsten Mediziner zurücklegen. Die Gladenbacher und Marburger haben es besser als die Durchschnittshessen, ihre Wegstrecke zum Arzt liegt unter fünf Kilometern. Gleiches gilt für die Menschen in Breidenbach.

Wesentlich schlechter gestellt ist der Norden des Landkreises: In Münchhausen, Wetter, Cölbe und Rauschenberg liegt die Wegstrecke zum Hausarzt mit mehr als sieben Kilometern deutlich über dem Hessenschnitt. Alle anderen Kommunen unterscheiden sich nicht vom Landesniveau.

Bei den Fachärztinnen ist der Landkreis rein statistisch überversorgt, die meisten von ihnen gibt es - wenig überraschend - in Marburg. Dementsprechend muss die Bevölkerung am Rand des Landkreises weite Wege fahren, um sie zu konsultieren: Am weitesten (über 22 Kilometer) ist es für die Menschen in den drei Gemeinden des Breidenbacher Grunds und für die Bad Endbacher. Dautphetaler, Gladenbacher und Lohraer müssen immerhin noch über 16 Kilometer für einen Besuch beim Facharzt auf sich nehmen. Der Hessendurchschnitt liegt bei gut elf Kilometern.

Der Bericht erfasst auch die Apotheken im Landkreis. Überraschend ist, dass Marburg-Biedenkopf die höchste Apothekendichte bezogen auf die Einwohner in ganz Hessen hat. Und dass - anders als bei den Ärzten - die Nähe zu Marburg offenkundig ein Nachteil ist. Denn: Die beste Versorgung mit Apotheken im ganzen Landkreis haben die Angelburger (1778 Einwohner pro Apotheke).

Die meisten Apotheken gibt es in Angelburg, die wenigsten in Steffenberg

Am schlechtesten im Hinterland stehen die Menschen in Steffenberg da (4213 Einwohner pro Apotheke) - rein statistisch, denn sie profitieren in diesem Fall von ihrer Nähe zur Nachbargemeinde.

Das Krankenhausversorgungsgebiet Marburg-Gießen (Landkreise Gießen, Lahn-Dill, Marburg-Biedenkopf und Wetterau) steht bei den stationären Behandlungen insgesamt gut da, so der Bericht. Die Zahl der Betten ist seit 2005 in allen Krankenhäusern relativ stabil geblieben. Zuvor war deutlich reduziert worden. Dagegen stiegen die Fallzahlen um 15 Prozent.

Bedeutsam ist, dass der Bericht auch die Pflegebedürftigkeit zum Thema macht. Demnach gibt es bis 2020 rund 14 Prozent mehr pflegebedürftige Menschen im Landkreis. Das entspricht dem Hessendurchschnitt. Die Zahl der Demenzkranken steigt zwischen 2011 und 2020 um 12,6 Prozent.

Dementsprechend wächst der Bedarf an Krankenpflege- und Altenpflegekräften. Bei der stationären Pflege liegt der Landkreis unter dem Hessenschnitt, das ambulante Angebot hat sich dagegen dynamischer entwickelt und liegt heute deutlich über dem Landesdurchschnitt.

- Der Regionale Gesundheitsreport steht im Internet auf der Homepage des Hessischen Sozialministeriums unter http://hsm.hessen.de/gesundheit/gesundheitsshyversorgung/regionale-gesundheitsreporte


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