Angehörige sorgen sich um gute Betreuung

TELEFONAKTION Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle für ältere Menschen helfen Anrufern

Anette Stoll gibt am Telefon Auskunft.

Doris Metzendorf berät die Anrufer. (Fotos: Schneider)

Bild 1 von 2

Über Entlastungsangebote und barrierefreie Wohnmöglichkeiten haben sich die Anrufer bei Doris Metzendorf vom Caritasverband Wetzlar/Lahn-Dill-Eder informiert. Darunter eine 82-jährige Frau aus Wetzlar, die zusammen mit ihrem 86-jährigen Ehemann lebt, der an beginnender Demenz erkrankt ist. Die beiden leben derzeit im ersten Stock, die Treppenstufen meistert das Ehepaar mittlerweile nur noch mit Mühe. "Wer kann uns bei einem Umzug helfen?", wollte die Anruferin wissen. Doris Metzendorf riet ihr, sich über die Wetzlarer Beratungsstelle Adressen von Umzugsunternehmen oder einzelnen sozialen Institutionen vermitteln zu lassen, die den Wohnungswechsel zu einem kleinen Preis stemmen. Doris Metzendorf klärte die Anruferin zudem darüber auf, dass dem an Demenz erkrankten Ehemann als Zusatz zur Pflegestufe I eine zusätzliche Betreuungsleistung zustehe. "Das sind dann monatlich 100 oder 200 Euro, die Sie für die Betreuung Ihres Mannes einsetzen können", teilte sie mit.

Bislang betreut die 82-Jährige ihren Mann, doch was, wenn ihr etwas passiert und sie ins Krankenhaus muss? "Ihrem Mann steht Kurzzeitpflege zu", erklärte die Beraterin. Und ein zusätzlicher Tipp: Einen Zettel ins Portemonnaie stecken mit dem Hinweis, dass zu Hause ein pflegebedürftiger Mann wartet.

Zudem ging es um zusätzliche Hilfe beim Einkaufen oder eine Begleitung für ihren Ehemann bei Arztbesuchen. "Dafür gibt es zum Beispiel die Bürgergenossenschaft ,Bürger aktiv' in Wetzlar", empfahl Doris Metzendorf.

Die Tochter einer 91-jährigen Frau aus Braunfels suchte bei der Telefonaktion Rat in Sachen zusätzlicher Betreuung. Ihre Mutter lebt bei ihrer Schwester, gemeinsam kümmern sie sich um die Frau, die kürzlich mit Schlaganfall und Lungenentzündung im Krankenhaus lag. Die alte Dame hat Pflegestufe III, zweimal pro Woche besucht sie eine Tagespflege in Schöffengrund. "Gibt es Personen, die am Nachmittag einsetzbar sind, wenn wir Angehörigen keine Zeit haben?", fragte die Tochter. "Wichtig ist, dass wir diesen Menschen vertrauen können."

Die Expertin verwies auf den ambulanten Pflegedienst, der die Schwestern bereits entlastet. Dieser biete auch stundenweise Betreuung an. Außerdem sei es möglich, über die Beratungsstellen Hilfe anzufordern: "Bei uns melden sich immer wieder Leute, die helfen wollen und die dann im Haushalt auf Minijob-Basis beschäftigt werden."

Eine Anruferin aus der Schweiz sorgte sich um ihre 89-jährige Großmutter, die in Herborn zu Hause ist. Sei sei zwar recht selbstständig. Allerdings falle ihr das regelmäßige Einkaufen mittlerweile schwer. Die alte Dame wolle aber auf keinen Fall in ein Heim.

Der Hausfrauenbund sei eine der möglichen Anbieter, wenn es um Einkaufshilfen gehe, wusste Anette Stoll. Eine neutrale und unverbindliche Beratung, die etwa die Beratungsstelle biete, könne helfen, zu klären, ob nicht auch eine Haushaltshilfe sinnvoll sei.

n Finanzielle Hilfe beantragen

Neben der Möglichkeit, die Hilfe selbst zu finanzieren sei zu überlegen, ob nicht bei der Krankenkasse ein Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung gestellt werden sollte. Ein Gutachter eines medizinischen Dienstes prüfe dann die Einordnung in eine Pflegestufe.

Anette Stoll gab weitere Tipps aus ihrem Arbeitsalltag. So kämen häufig Anrufe, wo etwa nach einem Schlaganfall des Vaters dieser plötzlich auf einen Rollstuhl angewiesen sei. Bei der Pflege zu Hause könnten bereits kleine Hilfen den Alltag erleichtern, sagt sie. Probleme bereite unter anderem der Einstieg in die Badewanne. Über Sanitätshäuser stellten die Krankenkassen leihweise sogenannte Badewannenlifter zur Verfügung. Diese müssten zuvor lediglich vom Hausarzt verordnet werden. Je nach Hilfsmittel sei eine einmalige Zuzahlung von fünf oder zehn Euro zu leisten. Ähnlich, erklärte Expertin Anette Stoll weiter, laufe es bei weiteren Hilfsmitteln, etwa dem Rollator, Haltegriffen, Toilettensitzerhöhung, Aufsteh- oder Gehhilfen.

Was genau von den Kassen ausgeliehen werden könne, sei von Kasse zu Kasse unterschiedlich in ihren Hilfsmittelkatalogen festgehalten.

Anders verhalte es sich bei Hör- oder Sehhilfen. Hier müsse man vieles selbst bezahlen.

Manchmal reichten diese Maßnahmen nicht aus. So könne zum Beispiel ein Umbau des Bades erforderlich werden: Wenn beim Betroffenen eine Pflegestufe vorliege, übernehme die Pflegekasse - unabhängig von der Anzahl der erforderlichen Umbaumaßnahmen - maximal bis zu 2557 Euro. "Wichtig: Der Kostenvoranschlag für diese Maßnahme muss zunächst von der Kasse genehmigt werden", betont Anette Stoll.

Komme man zu dem Schluss, dass eine Betreuung in den eigenen vier Wänden nicht mehr sinnvoll sei, stelle sich die Frage nach einem Umzug in eine geeignetere Wohnform. Das Spektrum reiche hier von barrierearmen bis hin zu gänzlich barrierefreien Wohnformen. Bei Letzteren könne man beispielsweise auch mit dem Rollstuhl unter die Spüle fahren und man finde problemlos zugängliche Schränke in niedriger Höhe vor. Die Anzahl dieser Wohnungen sei allerdings im Allgemeinen begrenzt.

Komme man nicht mehr alleine zurecht, gebe es die unterschiedlichen Formen des Betreuten Wohnens. Es handele sich nicht um einen geschützten und fest umrissenen Begriff. Die Angebote reichten vom Hausnotrufsystem über zur Verfügung stehende Ansprechpartner bis hin zum Anschluss an benachbarte Alten- oder Pflegeheime, deren Angebote mitgenutzt werden könnten.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2012
Kommentare (0)
Mehr aus red.web unzugeordnet