Arthrose nicht sofort operieren

TELEFONAKTION Orthopäde Marco Kettrukat beantwortet Fragen beim "Direkten Draht"

So zum Beispiel die Frage einer 68-jährigen Anruferin aus Katzenfurt, die eine Arthrose im Knie schilderte und sich nach Therapiemöglichkeiten erkundigte. Zudem leide sie an einem Lymphödem.

"Durch das Ödem kommt es zu einer Schwellung, die das Kniegelenk breiter machen. Das erschwert die Behandlung der Arthrose", erklärt der Spezialist. Das Ödem könne mittels einer Lymphdrainage therapiert werden, um den Lymphabfluss zu fördern.

Die Arthrose selbst könne auf verschiedene Arten behandelt werden, so der Arzt der deutschen Handball-Nationalmannschaft. "Zunächst können Sie die Schmerzen mit Akkupunktur behandeln." Der Arthrose selbst könne dann mittels einer Knorpelstimulation entgegengewirkt werden.

Eine weitere Möglichkeit zur Behandlung sei eine Blutegeltherapie. Kettrukat: "Erst, wenn das alles nicht hilft, sollte man über weitere Schritte wie die Injektion von Eigenplasma oder Cortison ins Knie nachdenken." Diese Therapien würden dafür sorgen, dass die Arthrose deutlich langsamer voranschreite. "Wichtig ist, dass jede Möglichkeit ausgeschöpft wird, um eine Operation zu vermeiden!"

Eine 52-jährige Leserin aus Herborn trägt seit sechs Wochen nach einem Bänderriss im Fuß eine Orthese. Sie erkundigte sich, wie lange sie diese noch tragen müsse und wann der Fuß wieder belastbar sei.

"Die Bänder brauchen etwa vier bis sechs Wochen, bis sie wieder vollständig verheilt sind", sagt der Orthopäde aus Wetzlar. "Dazu müssen sie die Orthese aber auch sechs Wochen lang konsequent Tag und Nacht tragen." Nach dieser Zeit benötige das Band aber bis zu sechs weitere Wochen, um vollständig auszuheilen, da es wegen der Orthese steif werde. "Ich empfehle Ihnen, während der nächsten Wochen beim Sport noch eine weiche Bandage zu tragen", rät Kettrukat. Gegen die Schwellungen am Fuß könnten Globuli, Quark-Umschläge oder auch kalte Kneippsche Bäder helfen. Die Kälte stimuliere dabei das Gewebe, ergänzt der Mediziner.

Eine 79-jährige Anruferin aus Wetzlar erzählte, sie sei vor einem Jahr auf das Knie gefallen; die Schmerzen seien aber damals rasch zurück gegangen. Nun habe sie Schmerzen im Oberschenkel, die sich besonders beim Aufstehen bemerkbar machten. Sie fragte, ob diese von dem Sturz kommen könnten.

Gerissenes Kreuzband muss nicht immer operiert werden

Auf Nachfrage Kettrukats gab sie an, die Schmerzen befänden sich etwa über der Mitte des Oberschenkels. "Dann kommen sie vermutlich nicht vom Kniegelenk", weiß der Fachmann, der stattdessen den Rücken als Ursache vermutet. "Lassen Sie Ihren Rücken röntgen, um auszuschließen, dass der Schmerz von einem Wirbelbruch kommt", rät er. Denn diese Schmerzen könnten auch in den Oberschenkel ausstrahlen.

Bei einem Sportunfall hat sich eine 25-Jährige aus Sinn das vordere Kreuzband gerissen. Da es noch an einigen Fasern festhängt, erkundigte sie sich, ob es nicht von allein wieder zusammen wachsen könne. Der Orthopäde: "Nein, von allein wächst es nicht wieder zusammen." Ein neues Kreuzband brauche die Patientin aber nicht zwangsläufig, fügt er hinzu. "Wer keine Sportarten macht, bei denen man ins X-Bein geht, braucht auch nicht unbedingt ein neues Kreuzband. Wer allerdings etwa Fußball, Tennis oder Skisport ausübt, muss auf jeden Fall operiert werden." Wenn sich das Knie aber instabil anfühle, sollte man es trotzdem operieren. Zudem könnte bei einer Physiotherapie die hintere Oberschenkelmuskulatur trainiert werden, welche das Kreuzband stützt.

Trotz einiger Operationen kann der 24-jährige Sohn einer Anruferin aus Eschenburg sein Knie immer noch nicht schmerzfrei strecken. "Die fehlende Streckfähigkeit ist eine der häufigsten Nebeneffekte bei einer Kreuzband-OP", weiß Kettrukat. Er vermutet einen so genannten "Zyklops" hinter den Schmerzen. Dieser besteht aus Narbengewebe und stößt bei Streckung an den Kreuzbandtunnel. "Lassen Sie zur Kontrolle ein MRT machen und den Zyklops in einer kleinen OP entfernen", rät der Spezialist.


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