Auf Menschenhandel aufmerksam machen

VORTRAG "The Justice Project Deutschland" war zu Gast in der EFG Herborn

Vortrag über Zwangsprostitution Foto PB281511 zeigt das Publikum. Barnusch

Vorgestellt wurde auch die von dem Amerikaner Justin Shrum (31) geleitetet Organisation "The Justice Project Deutschland", die sich gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution von Frauen einsetzt. Musiker Jonnes (22) sorgte für Musik zwischendurch.

Die gemeinsame Jugendarbeit Herborn der Freien evangelischen Gemeinde (FeG), des Christlichen Zentrums, der Evangelisch freikirchlichen Gemeinde (EFG) und der Calvary Chapel hatten eingeladen; die vier Gemeinden bilden eine seit Jahresbeginn bestehende Jugendallianz.

Justin Shrum legte einige Zahlen zum einträglichen Geschäft vor. Schätzungsweise würden 27 Millionen Menschen weltweit von Menschenhändlern ausgebeutet. "300 000 Männer, Frauen und Kinder werden jedes Jahr zu diesem Zweck nach Europa gebracht", erklärte er.

Und: In Deutschland zahlten täglich etwa 1,2 Millionen Männer für Prostitution. Daher sei der Menschenhandel neben dem Drogenhandel zusammen mit dem illegalen Waffengeschäft das  zweitgrößte kriminelle Gewerbe und setze weltweit über 32 Milliarden Dollar pro Jahr um.

Shrum berichtete, dass Frauen aus Osteuropa und Afrika mit Versprechungen, eine Modelkarriere zu machen oder gute Arbeit in der Gastronomie zu finden, nach Westeuropa gelockt würden.

Dort müssten sie dann gegen ihren Willen in Bordellen, Terminwohnungen oder auf dem Straßenstrich arbeiten. Die Wegnahme des Reisepasses, Bedrohungen und Vergewaltigungen seien dabei durchaus übliche Einschüchterungsmethoden. 

Frauen sind verängstigt

Schwere Traumatisierungen und andere Verletzungen seien die Folgen der ständigen Gewalt. "So ist auch die Bereitschaft zur Anzeige bei der Polizei sehr gering, denn die Frauen sind sehr verängstigt. Das macht die Bekämpfung der Zwangsprostitution besonders schwer", erklärte Shrum.

2011 starteten Justin Shrum und sein Team die Arbeit mit "The Justice Project Deutschland" in Karlsruhe. Im Badischen versuchten sie, beispielsweise mit "Schönheitstagen", verbunden mit einem kostenlosen Haarschnitt, das Vertrauen der betroffenen Frauen zu gewinnen und ihnen zu helfen. Geplant ist ein Kontaktcafé, in dem Betroffene mit Lebensmitteln versorgt werden, medizinische Hilfe erhalten und im Deutschunterricht sich zu verständigen lernen.

Shrum will auch ein Schutzhaus für die Aussteigerinnen bauen. Wichtig sei in erster Linie, den Frauen Wertschätzung und Fürsorge entgegen zu bringen.

"Wir wollen auf Menschenhandel und Zwangsprostitution aufmerksam machen, weil viele nicht auf dem Schirm haben, dass es ein aktuelles Thema in Deutschland ist, das uns alle angeht", erklärte Marco Michalzik, Jugendreferent bei der christlichen Initiative "Nightlight".

Er war von der Begegnung mit einer ehemaligen Zwangsprostituierten, die öffentlich von ihrer Leidensgeschichte berichtete, derart berührt, dass er spontan das Gedicht "Unsichtbar" schrieb. Es kann online bei iTunes, Amazon oder Musicload heruntergeladen werden. Das Geld kommt "The Justice Project Deutschland" zugute.

Betroffen zeigten sich einige Teilnehmer nach dem Vortrag. "Ich finde die Veranstaltung super, weil es ein wichtiges Thema ist, mit dem man sich auseinander setzen muss", sagt Philipp Görg (23) aus Fleisbach. Und Thea Dietrich (16) aus Herborn ergänzt: "Ich finde es wichtig, dass man etwas über den Menschenhandel und die Zwangsprostitution erfährt, weil man davon sonst im Alltag nichts mitbekommt."

Am Freitagabend konnten 228 Euro Spenden für "The Justice Project Deutschland" gesammelt werden.


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