Aufsicht entzieht Betriebserlaubnis

SOZIALES Rolf Trommershäuser darf keine vollstationäre Heimversorgung mehr anbieten

Rolf Trommershäuser (ganz rechts) darf das vollstationäre Wohnheim in Dorndorf nicht mehr betreiben. Sonja Antony und Morris Kirchner (beide stehend) wollen die Leitung übernehmen. Das wäre auch im Sinne der Bewohner Peter Brunnert (links) und Walter Horvath. (Foto: Kaminsky)

Trommershäuser betreibt in Dornburg-Dorndorf das "Haus am Blasiusberg". Die Schwestereinrichtung in Runkel-Schadeck feierte gerade ihr silbernes Betriebsjubiläum.

Wie der Landeswohlfahrtsverband (LWV) als Träger der Wohnheime mitteilte, habe Trommershäuser sich verweigert, behördliche Auflagen zu erfüllen. Einige Bewohner hätten bereits Ersatzplätze gefunden.

Doch für 13 Männer und Frauen ist die Zukunft ungewiss. "Wir wollen hier nicht weg", erklärt Walter Horvath vom Heimbeirat, "und hinter Gitter sperren lassen wir uns schon gar nicht".

Hinter Gitter? Für den LWV scheint sich als Alternative abzuzeichnen, dass die Bewohner in das Gebäude der Vitos Hadamar umziehen, in dem zuvor der Maßregelvollzug untergebracht war.

Das ist nur ein paar Kilometer von Dorndorf entfernt, familiäre und freundschaftliche Kontakten könnten bestehen bleiben und auch die vertrauten Mitarbeiter blieben ihnen erhalten.

"Es geht mir aber nicht nur um das Wohnen allein", erklärt Peter Brunnert, der schon seit vielen Jahren im Haus am Blasiusberg lebt. Er nehme aktiv am Dorfleben teil und arbeite auf einem Gehöft in der Nachbarschaft.

Die Vorgeschichte: Bereits vor zwei Jahren habe der Behördenkonflikt angefangen, erklärte Rolf Trommershäuser, nämlich als seine Tochter und deren Mann den Standort Schadeck übernahmen.

Hier sollte eine Kulturscheune entstehen, eine Tagesstätte mit Begegnungscafé sowie ein Bereich für arbeitsfördernde Maßnahmen. Statt vollstationärer Versorgung sollten die Bewohner selbstbestimmt gemeinschaftlich leben können.

"Dieses neue Wohnkonzept haben wir inzwischen in Schadeck realisiert", beton der abgesetzte Heimleiter. "Die vollstationäre Versorgung betrifft lediglich noch 13 Menschen in Dorndorf."

Damals sei es sein Fehler gewesen, den Schwiegersohn nie formell zum Geschäftsführer zu bestellen, gesteht Rolf Trommershäuser ein. Deshalb sei er gegenüber den Behörden in der Verantwortung geblieben. "Ich verwehre mich aber gegen den Vorwurf, dass die Wohnungen verkommen seien", pariert er die Auflagen der Heimaufsicht zur Renovierung des Schadecker Objekts.

"Individualität ist wichtig. Nicht jeder mag die klassische Wohnraumgestaltung mit Tisch, Stuhl und Regal - und schließlich ist unser Heim kein Internat des englischen Hochadels".

Der Konflikt habe sich hochgeschaukelt, nachdem die Heimaufsicht wegen des in ihrem Sozialverhalten manchmal schwierigen Bewohnerkreises in Schadeck eine Fachkraft für jede Schicht - also auch nachts - forderte.

"Reine Vorurteile - in all den Jahren ist dort nie etwas schlimmes passiert", so Trommershäuser. Indem er sich weigerte, diese Auflage zu erfüllen, wollte er die Umwandlung in eine andere Wohnform erzwingen, was inzwischen ja auch gelungen sei.

Es muss nur ein neuer Betreiber her

Die letzten drei Schadecker Heimbewohner sind nach dem Erlöschen der Betriebserlaubnis nach Dorndorf umgezogen und fühlen sich dort wohl. Die kommissarische Leitung des "Haus am Blasiusberg" liegt nun in den Händen von Sonja Antony und Morris Kirchner.

"Wir wollen die Einrichtung erhalten. Motivierte Mitarbeiter und Geschäftsleitung sind da. Es muss lediglich ein neuer Betreiber gefunden werden", sagt Kirchner und hofft, dass bei dem für Donnerstag angesetzten Gespräch mit dem LWV und der hessischen Betreuungs- und Pflegeaufsicht ein für alle gangbarer Weg gefunden wird. (kka)


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2017
Kommentare (0)
Mehr aus red.web unzugeordnet